Gemalte Körperlichkeit: Zum Gast im Atelier von Aneta Kajzer

anetaAneta Kajzer in ihrem Studio im Künstlerhaus Bethanien, Berlin, 2017 © Jonas Brander

Sechs Monate arbeitet Aneta Kajzer dank eines Künstlerstipendiums im Künstlerhaus Bethanien in Kreuzberg. Ich habe sie zwischen Farbtuben und Leinwänden zum Gespräch getroffen.

Wie gut, dass ich zuhause noch einmal nachgeschaut hatte: Das Atelier von Aneta Kajzer befindet sich im Haus des Künstlerhauses Bethanien – doch das ist mittlerweile nicht mehr im großen ehemaligen Krankenhaus am Mariannenplatz zuhause, sondern auf dem Kottbusser Damm. Ein kurzer Anruf und Aneta holt mich im Innenhof des Häuserblocks ab, um mich in ihr helles Atelier zu holen.

Es klingt wie der wahr gewordene Traum eines jeden Künstlers (oder natürlich Künstlerin): Ein halbes Jahr darf Aneta Kajzer, die erst Anfang des Jahres ihr Malerei-Studium an der Universität Mainz abgeschlossen hat, in diesem Atelier leben und arbeiten, malen und wüten, so viel sie möchte. Ein Stipendium der Künstlermarke Windsor & Newton sichert ihr über diesen Zeitraum Unterkunft und Arbeitsraum im Herzen der Stadt – und vor allem Farben ohne Ende.

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Aneta Kajzer in ihrem Studio im Künstlerhaus
Bethanien, Berlin, 2017 © Jonas Brander

Und Farben nutzt die Künstlerin gerne und viel: Sie liegen in halb ausgedrückten Tuben und Tiegeln auf der großen Atelierfläche, bedecken den Boden, die Wände und natürlich die Leinwände. In der Ecke steht ein großer Bottich mit einem Besen, mit roter Farbe verschmiert: Aneta Kajzer malt nicht nur gerne großformatig, sondern auch mit vollem Körpereinsatz. Ihre Malkleidung liegt lässig und über und über mit Farbspritzern besprenkelt auf einem Stuhl vor ihrer neuesten Arbeit.

Fast vier Meter hoch ist diese, eine Mischung aus gegenständlicher und abstrakter Malerei, in der man ein Gesicht erkennen könnte, wenn man wollte – aus Gründen der Transportierbarkeit ist das Bild auf zwei Leinwände aufgeteilt. Wie es letztendlich in die Ausstellung kommt, die Aneta mit ihrem Mit-Stipendiaten Anfang 2018 im Künstlerhaus Bethanien bespielen wird, ist noch unklar – denn eigentlich sind die Wände dort nicht hoch genug.

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© Fräulein Julia

Weiteres Material hätte sie auf jeden Fall genug. Bereits als Kind hat sie gerne gemalt, verspürte aber noch nicht den Wunsch, Künstlerin zu werden. Nach einem kleinen Umweg über ein Studium der Kunstgeschichte und Ethnologie landete sie dann doch an der Uni Mainz und hat diesen Schritt nie bereut. Feministisch seien ihre Arbeiten, hieß es im Pressetext und auch in der Begründung der Jury, die sie für das Stipendium. Feministisch – was heißt das eigentlich im Bezug auf die Kunst frage ich?

„Das Label „feministische Malerei“ drückt dem Ganzen meiner Meinung nach oft zu viel auf. Aber ich interessiere mich sehr für das Thema und habe das Gefühl, dass es gerade bei weiblichen Künstlern z.B. eher selten so große Formate oder so große Gesten gibt, wie ich sie nutze. Das wird von Frauen eher nicht erwartet, für mich ist es aber ganz selbstverständlich. Diese feministische Haltung kann man auch in meinen Bildern erkennen, finde ich.“

Sie malt Körper und Körperlichkeit, ohne sich dabei an klischeehafte Männer- und Frauenbilder oder Definitionen von „schön“ zu halten – eine Haltung, die sie mir sehr sympathisch macht. Auch Gesichter finden sich immer wieder in den Bildern von Aneta Kajzer. Es sei die Ambivalenz, die sich mit solchen Bildern sehr gut ausdrücken lasse, die sie fasziniert, erklärt sie. Alle ihre Bilder changieren zwischen „seltsam und seltsam lustig“ – eine Gratwanderung, die der Künstlerin sehr gut gelingt!

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© Fräulein Julia

Mehr über Aneta Kajzer findet ihr auf ihrer Webseite. Die Ausstellung findet Anfang 2018 im Künstlerhaus Bethanien statt.

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