Berlin in der Literatur

Berlin

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Auf „Fräulein Julia“ herrscht ganz klar ein Berlin-Schwerpunkt – auch, was meine Rezensionen angeht. Seit ich blogge sind unzählige Bücher erschienen, in denen diese Stadt die Hauptrolle spielt. Dies ist meine Liste liebster Berlin-Bücher – welches mögt ihr am liebsten?

Volker Kutscher
Der nasse Fisch bis Lunapark
Um Volker Kutscher und seine Krimi-Serie mit Gereon Rath kommt man eigentlich nicht drumherum, wenn man sich für Geschichten über Berlin interessiert – und auch jedem Anderen kann ich diese Reihe nur wärmstens ans Herz legen! Kutscher lässt in mittlerweile sechs Romanen das Berlin der 1920er und frühen 1930er Jahre aufleben. Und zwar so facettenreich, detailverliebt und mit all seinen Skurrilitäten, dass man sich nur schwer von den Geschichten lösen kann. Hier bekommt ihr alles: schlaflose Nächte und Abschiedsschmerz auf der letzten Zeite – gekoppelt mit sehnsüchtigem Warten auf den nächsten Band!

Andreas H. Apelt
Pappelallee
Jemand musste Hans Hülsmann verleumdet haben, denn ohne dass er wusste warum, wurde er eines Tages in die Volkspolizei auf der Schönhauser Allee bestellt. Dort teilte man ihm mit, dass es ihm ab sofort untersagt sei, Berlin zu verlassen. Warum? Na, das wisse er ja sicher selbst. Hans Hülsmann weiß es nicht, doch wundert ihn nichts: Der Staat in dem er lebt – die Deutsche Demokratische Republik – ist bekannt für ihre kafkaeske Verurteilung scheinbar harmloser Menschen. Hülsmann stört das aber nicht sonderlich, er ist weiterhin in den Kreisen der Berliner Bohème rund um die Gethsemanekirche im Prenzlauer Berg unterwegs. Mit viel Liebe zum Detail baut der Autor eine Atmosphäre zwischen Unbehagen über das abstruse System und „wir kennen es ja nicht anders“-Schulterzucken auf – das ist gleichermaßen beklemmend wie irgendwie gemütlich.

Peter Richter
89/90
Wir schreiben das Jahr 1989 in der Deutschen Demokratischen Republik. Dass sich bald bahnbrechende Dinge ereignen werden liegt im Frühsommer vielleicht schon in der Luft – aber wenn man gerade 15 Jahre alt ist, gibt es wirklich wichtigeres. Nachts über den Zaun ins Freibad einsteigen und nackt ins Wasser springen, Mädchen auf die sich wundersam verändernden Körperformen schauen, Zigaretten rauchen und Alkohol trinken zum Beispiel. Dazu FDJ-Versammlungen und 1. Mai-Demonstrationen und natürlich das Wehrlager mit Stechschritt und Schießübungen als Vorbereitung auf die NVA. Ganz normaler Alltag eben in diesem Staat, der sich den Sozialismus auf die Fahnen geschrieben hat – und natürlich den Frieden. Und dann fällt die Mauer und alles ändert sich: Plötzlich verwandeln sich altbekannte Kumpels aus dem Freibad in kahlgeschorene und Parolen rufende Neonazis, man selber zählt sich zur linken Seite, man sich immer wieder bei explosiven Straßenschlachten in Dresden-Neustadt gegenüber, es werden Zähne ausgeschlagen und wahllos aufeinander eingeprügelt. Eine eher ungemütliche Atmosphäre, um erwachsen zu werden – doch ein umso beeindruckenderer, semi-autobiographischer Roman!

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Andreas Baum
Wir waren die neue Zeit
„Ihr kriegt uns hier nicht raus! Das ist unser Haus…!“, sangen Ton Steine Scherben bereits 1972, als das besetzte „Rauch-Haus“ im Kreuzberger Bethanien mit viel Krawall von der Polizei geräumt wurde. Knapp 20 Jahre später erlebt die Hausbesetzer-Szene wieder einen legendären „Sommer der Anarchie“: Die Mauer ist weg, der ehemalige Ost-Teil der Stadt zerbröselt vor sich hin, die Wohnungen stehen leer. Eine große Spielwiese zur Selbstverwirklichung einer neuen Gesellschaftsidee, ist eine Gruppe Studenten überzeugt – und besetzt kurzerhand einen großen Gebäudekomplex am Rosenthaler Platz. Doch utopische Ideen des Zusammenlebens zu haben, ist eine – sie umzusetzen eine ganz andere Sache…

Nicola Nürnberger
Berlin wird Festland
Christine ist aufgewachsen in einer hessischen Kleinstadt, nach dem Abitur hat sie ihr Grundstudium der Germanistik in Bayreuth absolviert – und nun soll es hinausgehen in die große Welt. In diesem Fall heißt das: Berlin! Es ist 1991 und durch die Stadt zieht eine dicke Narbe. Der Ostteil der Stadt ist von bröckelnden Fassaden geprägt, während im Westteil der Stadt alles gemacht ist. Bis auf Kreuzberg: Die tote Ecke bzw. das Dead End rund um das Schlesische Tor (was man sich heute überhaupt nicht mehr vorstellen kann!) weist ebenfalls rußgefärbte Fassaden, verschachtelte, dreckige Hinterhöfe, Kohleöfen und Außenklo auf. Dass Christine ein Zimmer in einer Zweier-WG mit Gasetagenheizung und Innenklo gefunden hat, grenzt schier an ein Wunder. Und es ist trotzdem ein Abenteuer! So abenteuerlich, dass sie fast jeden Abend eine neue Kneipe ausprobiert – und eines Morgens ohne Kleidung in einer dunklen Erdgeschosswohnung in der Cuvrystraße aufwacht… Das Lebensgefühl der Post-Wendejahre in Buchform gepackt!

Wolfgang Mueller
Der Freund von früher
Als Oscar seinen ehemaligen Schauspielerfreund Alfred nach Jahren wieder trifft, wirkt dieser enthusiastisch – doch wenige Tage später findet Oscar ihn tot in seiner Wohnung. Um den Nachlass seines Freundes, mit dem er so lange nicht mehr in Kontakt gestanden hatte, zu Regeln, zieht Albert für ein paar Tage (eigentlich hat er sich mit seiner Freundin Clara und einem Reihenhaus in Spandau längst von den Exzessen von Berlin-Mitte losgesagt) in die alte Wohnung ein. Und dann überschlagen sich die Ereignisse: Nicht nur steht der Hausverwalter plötzlich mit dem neuen Hausbesitzer vor der Tür, der das bröckelnde Mietshaus gerne umbauen und in schicke Lofts verwandeln möchte, auch diverse Personen aus der gemeinsamen Vergangenheit von Oscar und Albert geben sich plötzlich die Klinke in die Hand. Und wer ist eigentlich diese geheimnisvolle Emma, mit der Albert in den letzten Monaten so zärtliche Emails ausgetauscht hatte? Häusersanierung, Miterhöhung, Ofenheizung: Klingt wie ein handelsüblicher Berlin-Roman, ist aber etwas ganz besonderes!

Paula Fürstenberg
Familie der geflügelten Tiger
19 Jahre hat Johanna ihren Vater nicht gesehen, als dieser plötzlich anruft. Wieso ist er damals einfach „in den Westen gegangen“, ohne etwas zu sagen? Der Roman „Familie der geflügelten Tiger“ beschreibt die Suche nach der eigenen Identität in einem Land, dessen Narben noch deutlich zu sehen sind – ja, auch so viele Jahre nach dem Fall der Mauer noch. Es ist dieser folgenschwere Anruf, der Johannas Leben aus den Fugen geraten lässt. Erst kurz zuvor war sie bei ihrer leicht schrulligen Mutter in der Uckermark ausgezogen, um in Berlin eine Ausbildung zur Straßenbahnfahrerin zu machen. Nun soll sie ihren Vater kennenlernen, der überdies im Sterben liegt – dabei hat sie doch so viele Fragen!

 

 

 

 

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