Die geheimnisvolle Buchhandlung

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Die Wirtschaftskrise kostet Clay Jannon seinen Job als Webdesigner in San Francisco. Um sich finanziell über Wasser zu halten, heuert er in einer Buchhandlung an – und stellt schnell fest, dass hier irgendetwas nicht mit rechten Dingen zu geht. „Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra“ ist ein Buch über Bücher.

Man muss Clay Jannon nicht unbedingt einen Bibliophilen nennen: Zwar hat er die Drachenlied-Chroniken seines Lieblingsautors bereits etliche Male gelesen, doch findet sein Leben hauptsächlich online statt. Sein E-Book ist voll mit den ersten – da oft kostenlosen – Kapiteln von Romanen und Sachbüchern. Dass er sich als Aushilfe in der Buchhandlung Penumbra, die 24 Stunden geöffnet hat, bewirbt, liegt vor allem an der gähnenden Leere auf seinem Bankkonto. Doch irgendetwas stimmt nicht mit dem Laden, dass merkt Clay sofort:

„Stellen sie sich Form und Inhalt einer normalen Buchhandlung vor, bloß hochkant. Der Laden war geradezu absurd eng und schwindelerregend hoch, und die Regale reichten bis zur Decke – drei Stockwerke hoch Bücher, vielleicht sogar mehr.“

Von aktuellen Bestsellern fehlt jede Spur, auch Bücher bekannter Autoren sind rare Ware. Dafür sind die hinteren Regale gefüllt mit geheimnisvollen Buchrücken, deren Inhalt schwer nach einer Art verschlüsseltem Code aussieht – was Clay nur herausfindet, weil ihn ein Freund zum Schnüffeln anstiftet. Denn eigentlich besteht seine Aufgabe darin, irgendwie die ruhige Nachtschicht hinter sich zu bringen, in die nur gelegentlich die ein oder andere verschrobene Person platzt, mit Schnappatmung „Kingslake! Schnell!“ hervorpresst, einen Mitgliedsausweis vorzeigt und ebenso schnell wieder verschwunden ist. Was hat das zu bedeuten?

Die sonderbare Buchhandlung des Mr Penumbra von Robin SloanWürden wir uns zeittechnisch ein paar Jahrzehnte früher befinden, stünde jetzt wohl eine Reise des Protagonisten auf dem Programm, die auch beim Leser jede Menge Gehirnregionen beanspruchen würde. Stattdessen kommt die alte Datenkrake Google ins Spiel – Clay schnackselt zufällig seit einiger Zeit mit einer Mitarbeiterin der Firma – die das Geheimnis des jahrhunderte alten so genannten Bund des „Ungebrochenen Buchrückens“, der hinter den Codes steckt, im Handumdrehen mit dem gigantischen Buchscanner entschlüsseln soll. Denn Google kann alles, so lautet das Credo der Technikjünger.

Etliche Seiten lang wirkt diese von den Charakteren überhaupt nicht hinterfragte Macht der Technik allerdings etwas lächerlich (möglicherweise eher ein ironischer Seitenhieb des Autors). „Google scannt das ganze aktuelle und alte Wissen und macht es für ALLE KOSTENLOS VERFÜGBAR, supergeil, oder nicht?“, schreit es unterschwellig von jeder Seite. Die Traditionen des Geheimbundes werden hingegen mit Füßen getreten. „Eine bezaubernde Liebeserklärung an die Welt der Bücher“ wird die New York Times auf dem Buchrücken zitiert – nunja.

Wer am Ende am längeren Hebel sitzt – Tante Google oder der Ungebrochene Buchrücken – bleibt eine Weile undurchsichtig und auch auf die Auflösung des Geheimnisses um die (übrigens schwarze Roben tragenden) Geheimbündler wartet man gespannt. Und doch fehlt es der ganzen Geschichte leider an dem gewissen Etwas, wie es andere Romane haben, die sich um die Faszination gedruckter Bücher ranken. Ein Buch, welches man in wenigen Stunden konsumieren kann wie ein fluffiges Stück Kuchen – um es dann wahrscheinlich schnell wieder zu vergessen.

Robin Sloan: Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra. Blessing Verlag, 2014. Gebunden, 352 Seiten, 19,99€. ISBN: 978-3-89667-480-7. (Die Vorgeschichte um den Buchhändler „Die unglaubliche Entdeckung des Mr. Penumbra“ ist (nur) als E-Book erhältlich)

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