Tiptoptipps für ein Wochenende in Budapest

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Nach Breslau suchte ich mir erneut eine Stadt mit großem B heraus – und fuhr mit dem Nachtzug für ein verlängertes Wochenende nach Budapest!

Seit ich in Berlin wohne, habe ich „den Osten“ für mich als Reiseziel entdeckt. Als ich klein war, existierten noch Jugoslawien und die Sowjetunion, und während ersteres noch als hübsches Urlaubsziel galt, fuhr man in letztere einfach nicht. Nun gibt es beides nicht mehr, die Grenzen sind offen und meine Entdeckungslust geweckt.

Nachdem die Deutsche Bahn sich entschieden hatte, die Nachtzüge wegen mangelnder Lukrativität abzustoßen, nahm sich netterweise die Österreichische Staatsbahn diesem praktischen Fortbewegungsmittel an: Weiterhin können all jene, die nicht gerne fliegen oder einfach nur gerne Zug fahren, am Abend in Berlin in den Waggon steigen und am nächsten Morgen ausgeschlafen (kleiner Scherz, dazu muss man schon sehr wackelresistent sein!) in Budapest ankommen. Ich packte also die Thermoskanne mit Tee in meinen Rucksack und fuhr los – um am nächsten Tag in einer verwunschenen Stadt anzukommen, die in der Zeit stehengeblieben zu sein scheint.
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Mehrere Jahrzehnte Kommunismus haben auch hier ihre deutlichen Spuren hinterlassen: Graue Mietskasernen wie in Berlin, mit dem Unterschied, dass noch keine Investoren die Ruinen für sich entdeckt und in abwaschbaren Pastellfarben gestrichen haben – hier bröselt alles gemütlich vor sich hin. Ich laufe mit großen Augen durch die Straßen und kann nicht aufhören, die rußfarbenen Backsteinwände zu knipsen und mir die dahinter liegenden, sicherlich weitläufigen Wohnungen mit Ofenheizungen vorzustellen.

Mit dem Ruinen-Charme spielt man in Budapest gern, auch hier dienen die alten Abbruchhäuser als Orte für kreatives Ausleben – in erster Linie aber tatsächlich zum Betrinken. Selten habe ich so viele Cafés und Bars nebeneinander aufgereiht gesehen wie in der Stadt an der Donau! Das „Szimpla Kert“ ist wohl die bekannteste Ruinen-Bar: 2001 wurde das Projekt gegründet, ist danach zweimal umgezogen und nun in der Kazinczy utca im Jüdischen Viertel zu finden. Während ich den geschmückten Eingang fotografiere warte ich darauf, dass ein Trabi an mir vorbeifährt – den finde ich aber später im inneren der bis oben hin mit Kuriositäten und Pflanzen vollgestellten Lokalität. Abends trifft sich hier das Feiervolk, nachmittags geht es eher gesittet zu.

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Budapest ist keine übermäßig große Stadt, man kann sie in einem Wochenende gut entdecken. Wobei auch hier wie überall gilt: Wer sich mehr Zeit nimmt, hat auch mehr Muße für das durch-die-Straßen-streifen – und das lohnt sich hier ganz besonders! Wer längere Strecken zu bewältigen hat, kauft sich für ca. 1€ ein Ticket für die U-Bahn oder diese wunderhübschen, altmodischen Trams und lässt sich durch die Stadt fahren, ansonsten kann man alles sehr gut zu Fuß bewältigen. Von meinem Hostel am „Oktogon“ bis zum Schlossberg brauchte ich netto eine halbe Stunde, spazierte dabei über die prunkvolle „Andrássy ut“ und die „Kettenbrücke“ auf das andere Ufer.

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Zum Schlossberg führt eine urige Zahnradbahn, doch ich schlendere stattdessen die umliegenden Straßen im Zickzack nach oben, bis ich zwischen den anderen Touristen im Innenhof des Burgpalastes (Budavári palota) stehe und – trotz Regenwetters – einen prachtvollen Ausblick auf die Ostseite Budapest (das „Pest“ in Budapest) und das Parlament habe. Die Grundmauern des Palastes stammen noch aus dem 13. Jahrhundert, von König Béla IV. genauer gesagt. In den Jahrhunderten darauf pappten dann alle Herrscher weitere Steine an den Palast, so dass es heute ein wildes Gemisch aus Stilen ist, das sich über den kompletten Berg zieht. Die Altstadt mit ihren engen Gässchen und schiefen Häusern im Schatten der Palastmauern lohnt einen Spaziergang.
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Einen Berg weiter, auf dem Gellért-Berg, befindet sich das Hotel Gellért mit der hauseingenen Gellért-Therme. Nach Budapest zu fahren, ohne eine Therme zu besuchen? Das geht nicht, sagte man mir vorher. Aufgrund der schlechten Wetterlage entscheide ich mich für das Bad auf der „Buda“-Seite der Donau, da die anderen Bäder hauptsächlich unter freiem Himmel sind. Ca. 17 Euro kostet eine Tageskarte mit Spind, dazu kaute ich zur Sicherheit noch eine hübsche und recht enge Badekappe, mit der ich mich sofort wieder wie im Schwimmunterricht in der Grundschule fühle. Aber was soll man gegen die Badekappenpflicht schon sagen?

Aufbehalten muss ich das Käppchen letztendlich nur für das Schwimmbecken, das mir aber viel zu kalt ist – ich verziehe mich lieber im Wechsel in die vier verschiedenen Thermalbäder, die von 28° bis badewannenwarme 40° reichen und deren Wärme alle meine Muskeln vollkommen entspannt.
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Als ich kurz nach dem Abitur zum ersten Mal alleine verreiste, musste ich zunächst eines lernen: Alleine essen zu gehen. Natürlich kann man sich durch die verschiedenen Imbiss-Stuben hangeln, doch die Kür ist es, sich in einem Restaurant alleine an einen Tisch zu setzen, oder? In Budapest habe ich Glück: Obwohl dort vor allem am Wochenende viele Tische reserviert sind, bekomme ich immer noch einen Platz für mich alleine – und zwar nicht am hässlichen „Katzentisch“. So futtere ich mich frohen Herzens durch jüdische Küche im „Masel Tov“, gönne mir ein unfassbar gutes Glas Rotwein im märchenhaften „Vintage Garden“ und lasse mir im „Puli“ Gulaschsuppe in einem roten Emaille-Topf servieren (später kaufe ich um die Ecke einen größeren & roten Emaille-Topf für unschlagbare 2,50€, den ich irgendwie in meinen Reiserucksack quetschen muss…). Wer einen Tisch für mehrere Personen braucht, sollte also etwas vorher Bescheid geben.

Anders verläuft es in den hübschen Jugenstilcafés, die sich teilweise seit der Jahrhundertwende am selben Platz befinden und durch ihre opulente Einrichtung bezaubern. Im „Central Kavehasz“ mache ich auf meinen kilometerlangen Erkundungsgängen eine kleine Verschnaufpause, bevor ich weiter wandere zur Großen Markthalle (Nagy Vásárcsarnok). Hier kann man nicht nur fabelhaft essen und kulinarische Souvenirs kaufen, auch „klassische“ Souvenirs aus Ungarn werden hier angeboten – z.B. die kleinen, verzierten Holzpüppchen, die ich als Folklore-Liebhaberin gleich ins Herz geschlossen habe.

Nach minutenlangen Entscheidungskämpfen – welche Farbe? – packe ich eines der Püppchen ein und stapfe durch den Regen zurück zum Hostel. Meine erste Reise nach Budapest endet hier – und wird mit ziemlicher Sicherheit nicht die letzte sein!
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Tiptoptipps für ein langes Wochenende in Budapest

  • HINKOMMEN: Mit dem Nachtzug von Berlin dauert es rund 14 Stunden, was aber nicht stört, da man ja den größten Teil davon schläft (oder: zu schlafen versucht). Sparfüchse buchen sich einen Sitzplatz ab 29€, wer dann doch lieber liegen möchte, zahlt einen Aufschlag für ein 6er oder 4er-Abteil oder einen 2er- oder sogar Einzelschlafwagen. Jeden Morgen wird ein kleines Frühstück (ein Schokocroissant und ein Trinkpäckchen) serviert, ein Service, den ich bei meinen Nachtzugfahrten zu DB-Zeiten vermisst habe! Buchbar sind die Tickets am einfachsten über die ÖBB – wer über die Deutsche Bahn bucht, zahlt mitunter einen Aufschlag.
  • ÜBERNACHTEN: Wenn ich alleine auf Reisen bin, bevorzuge ich Hostels: Hier ist man unter Menschen, kann sich über Tipps austauschen – muss es aber nicht. Das Avenue Hostel in der Innenstadt bot mir eine kleine „Koje“ im 8er-Schlafsaal sowie kostenloses Frühstück für höchstens einen 10er pro Nacht.
  • FORTBEWEGUNG: Für ca. 300 Forint bekommt ihr ein Einzelticket für die U-Bahn (die an sich eine Sehenswürdigkeit ist) oder die Tram, müsst aber bei jedem Umsteigen eine neue Karte entwerten. Mit der Linie 2 und 4 kann man eine preiswerte Rundfahrt durch die Stadt machen, die Linie 2 ist darüber hinaus hübsch altmodisch und fährt entlang der Donau.
  • ESSEN & TRINKEN: Kürtöskalács! Ich hatte mich schon vor meiner Reise wie Bolle auf die großen, zuckrigen Teigkringel gefreut (die in Tschechien als „Trdelniks“ und in Polen als „Kona“ bekannt sind) – und freute mich noch mehr, dass direkt vor meinem Hostel ein Stand war, der die Leckereien für etwas mehr als 1€ verkaufte! Abgesehen davon lässt es sich auch sonst wunderbar essen in dieser Stadt: Im Restaurant Puli wurde mir die Gulaschsuppe in einem roten Emaille-Topf serviert, im Mazel Tov gibt es außergewöhnliche (nicht koschere) jüdische Küche und im verwunschen Vintage Garden aß ich die wohl besten Penne All’Arrabiata meines Lebens. Die große Markthalle am Donau-Ufer ist ein guter Anlaufpunkt für frisches Obst und Gemüse, die obligatorische Pfeffersalami oder auch Süßes wie die „Kakaós Csiga“ (mit Schokolade bestrichene Hefeschnecken)
  • SEHENSWÜRDIGKEITEN: Sehenswert sind auf jeden Fall das Jüdische Viertel mit seinen verfallenen Häuschen und „ruin pubs“, der Burgpalast und die Nationalgalerie, die Burg Vajdahunyad, die alte Markthalle und die Thermalbäder. Und sonst gilt: Lasst euch treiben! Es gibt an jeder Ecke etwas zu entdecken.
  • DIE JUGENDSTILBÄDER: Es stimmt, ein Besuch in einem der Jugenstilbäder sollte auf jeden Fall drin sein! Da es Anfang März noch recht kühl war, entschied ich mich für das Gellért-Bad am Fuße des Gellért-Berges, da sich hier das meiste im warmen Inneren des Bades abspielt. Wer schwimmen gehen möchte, muss zwingend eine Badekappe tragen – für die Badewannen aka. die Thermalbäder ist das aber keine Pflicht. Mit einer Karte (ca. 17 Euro für einen Spind, 18-19€ für eine abschließbare Einzelkabine) kann man sich den ganzen Tag in den insgesamt fünf „Badewannen“ entspannen (die kühlste liegt bei 28°C, die heißeste bei 40°C).
  • BEZAHLEN: Der Forint machte es mir nicht leicht: Während meines Aufenthaltes lag der Wechselkurs bei 310 Forint für 1€ – ohne Taschenrechner kam ich nicht zurecht, meine Kopfrechnenkünste sind wohl doch ein bisschen eingerostet. Bankautomaten finden sich auf jeder größeren Straße und an vielen Stationen – vor allem an den touristischen Ecken – kann man auch mit Euro bezahlen.
  • SPRACHE: Ungarisch gehört (genau wie Finnisch) zu den finno-ugrischen Sprachen, und auch wenn sie in lateinischen Buchstaben geschrieben wird, sind die meisten von uns wohl herrlich unvertraut mit ihr. Sag nochmal einer, die deutsche Sprache habe lange Wörter: Im Gellért-Bad versuchte ich, einen Schriftzug zu fotografieren und bekam das lange Wort nicht in ein Bild! Mit Englisch kommt man in Budapest gut über die Runden, auch hier funktioniert Deutsch teilweise. Hilfreich ist es, sich z.B. „Szia“ (Hallo/Tschüss) zu merken, ebenso „Jó napot“ (Guten Tag), „igen“ (Ja), „nem“ (nein), „Szívesen“ (Bitte) und „Köszönöm“ (Danke)

 

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