Hinter den Kulissen vom Dussmann Kulturkaufhaus

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Wie gelangt ein Buch eigentlich vom Verlag in das Regal einer riesigen Buchhandlung wie dem Dussmann Kulturkaufhaus? Ich durfte hinter die Kulissen schauen!

Mein Vater war ausgebildeter Buchhändler, arbeitete aber mehr als drei Jahrzehnte im Barsortiment von Koehler & Volckmar (die vor einigen Jahren mit der Verlagsauslieferung Koch, Neff & Oetinger, kurz KNO, fusionierten). In den riesigen Hallen im Kölner Norden lagerten unzählige Bücher aller Genres, die von den Verlagen geliefert und an die jeweiligen Buchhandlungen in ganz Deutschland weitergeleitet wurden. Wann immer ich meinen Vater in seinem Büro besuchte, bewunderte ich die mit Büchern gefüllten blauen Plastikwannen, die über gefühlt kilometerlange Rollbänder zu den jeweiligen Lastwagen ratterten.

Doch wie geht es ab diesem Punkt weiter? Mein Wissen darüber war bisher eher schwammig – bis ich nun die Gelegenheit hatte, diesen Weg im Dussmann Kulturkaufhaus zu verfolgen: Wie gelangt der Roman Sommer mit Lulu, den ich im Rahmen der Aktion „Buch-Blogger empfehlen Sommerlektüre“ ausgewählt hatte, vom Verlag Klett-Cotta auf den Büchertisch im Erdgeschoss, fragte ich mich?

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In meinem Fall beginnt alles bei Jacqueline Masuck (die den von mir sehr geschätzten Blog masuko13 führt). Jacqueline ist „Warengruppenleiterin“ für den Bereich „Moderne Literatur Hardcover“, dem größten in der Belletristik: Sie hat den richtigen Riecher für die neuesten Trends auf dem Buchmarkt und mögliche Kassenschlager und entscheidet, was bestellt wird. Gespräche mit Verlagsvertreter*innen und ein gewisses Gespür für die Lesevorlieben der Kunden sind dabei von großer Wichtigkeit. Bestellt wird in den meisten Fällen im Barsortiment von Libri oder KNO (womit ich wieder den Bogen zu meinem Vater schlagen kann) oder auch direkt beim Verlag; kleinere Verlage sparen sich oft den Zwischenhändler und liefern ihre Druckerzeugnisse direkt an die Buchhandlung.

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Ca. zwei bis drei Paletten Bücher kommen so jeden Morgen gegen 6 Uhr aus dem Barsortiment im Hause Dussmann an, erklärt man mir im Wareneingang – „das entspricht ungefähr dem Gewicht von 18 Elefanten im Jahr!“ Auch Sommer mit Lulu erreicht Berlin auf diesem Weg. Hinter den schnöden Pappboxen und den grauen und blauen Plastikwannen verstecken sich Bücher jeglicher Couleur. In einem selbst ausgedachten System werden sie, nachdem der Warenbegleitschein bearbeitet wurde, den einzelnen Bereichen der Buchhandlung zugeordnet und sortiert: im Uhrzeigersinn vom Aufzug ausgesehen und einzeln für jedes Stockwerk. Ich ziehe meinen Hut vor dem exzellenten fotografischen Gedächtnis, das es braucht, um sich bei vier Etagen alle Standorte merken zu können!

Vom Wareneingang zu den „Abwurf-Orten“

Dank der Straßenverkehrsordnung – der Wareneingang liegt höchstens 100m Luftlinie vom Kulturkaufhaus entfernt, befindet sich aber in einer Einbahnstraße – werden die Bücherwannen dann in einer kurzen Fahrt um den Block in das Haupthaus gebracht, wo sie per Gabelstapler verladen werden. Der Aufzug bringt die Bücherstapel in die jeweiligen Abteilungen der Buchhandlung, wo sie entweder in großen Schubladen unter der Regalen – den „Abwurf-Orten“ – zwischengelagert oder direkt ausgeräumt und einsortiert werden. Sommer mit Lulu hat gleich zwei Orte bezogen und ist im Belletristik-Regal sowie (noch bis zum 5. August) auf dem Blogger-Tisch im Eingangsbereich zu finden.

Kassenschlager und Ladenhüter

Welche Hardcover laufen besonders gut, so dass sich eine Aufstockung lohnt? Wo ist dringend Nachschub nötig und welches Buch erweist sich als Ladenhüter, der als Remittende zurück zum Verlag geschickt wird? Alle Buchverkäufe werden täglich elektronisch erfasst und müssen abends durchgeschaut werden – über rund 80.000 Bücher in 350 Warengruppen müssen die 60 Warengruppenleiter*innen also dabei den Überblick behalten!

Verkauft sich ein Buch pro Tag mehrmals, wird es nachgeordert – diesen Sommer ist das z.B. die Serie um die beiden Freundinnen Lenú und Lila von Elena Ferrante aus dem Suhrkamp Verlag oder der überraschende Erfolg Sieben Nächte von Simon Strauß aus dem Blumenbar Verlag. Rund 100 Hardcover und 300 Taschenbücher aus der Belletristik gehen täglich über den Ladentisch in der Friedrichstraße.

Ein Kassenschlager ist „mein“ Roman von Peter Nichols also eher nicht, erfahre ich: In den letzten beiden Wochen hätten sich vier Exemplare verkauft, fünf seien noch vorhanden – man müsse also noch nicht nachbestellen. Aber der Sommer dauert ja auch noch eine Weile, oder? Hier endet also der Weg „meines“ Buches – welches ich euch natürlich dennoch ans Herz lege – durch das Dussmann’sche Labyrinth und das unzähliger anderer spannender Bücher, die es noch zu entdecken gilt!


Dieser Beitrag ist mit ganz viel Neugier, Herzblut und finanzieller Unterstützung durch das Dussmann Kulturkaufhaus entstanden. Danke!

4 Kommentare

  1. Da ich lange selbst im Buchhandel gearbeitet habe, ist das für mich zwar nichts Neues, aber ich fand es trotzdem interessant die Vorgänger mal aus einer anderen Perspektive zu lesen. 🙂

  2. Faszinierend das mal so zu sehen.
    Der Apotheken-Großhandel benutzt die gleiche Art von Versandkisten, wie auf deinen Fotos zu sehen. Der große Unterschied dürfte sein, dass die Apothekenkisten noch zusätzlich mit einem Umreifungsband versehen sind. Schon lustig, dass sich das bei zwei so unterschiedlichen Sachen so wenig unterscheidet ^^

    Liebe Grüße,
    Lena

  3. Schöner Bericht 🙂 Habe mal eine Ausbildung im Medienbereich gemacht und kannte die Theorie, aber so ist es viel anschaulicher.

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