„Wir wollen unsere Leser zur Kunst anstiften“

kunstanstifter Verlag, das bedeutet liebevoll illustrierte Klassiker und moderne Geschichten auf hochwertigem Papier. Anlässlich des 10. Geburtstages traf ich Verleger Niklas Thierfelder auf der Frankfurter Buchmesse zum Gespräch über sein Herzensprojekt!

Den kunstanstifter Verlag gibt es jetzt seit 10 Jahren. Wie ging es damals los, wie ist der Verlag entstanden?
Meine Frau und ich kommen aus dem Verlagsgewerbe, genauer gesagt aus einem Fachbuchverlag. Sie war Lektorin, ich kaufmännischer Leiter. Wir sind dann nacheinander ausgeschieden, wollten aber beide im Verlagsgewerbe bleiben. Wir hatten uns den wunderschönen Namen „kunstanstifter“ schon ausgedacht und geschützt und entschieden, unsere eigenen Bücher zu machen. Es hat angefangen mit einem Sammelsurium an Büchern, Kochbücher, Bildbände, gesellschaftspolitische Bücher und einer Zeitschrift. Irgendwann kam dann die Illustration dazu. Und da sind wir vor 6 Jahren hängen geblieben, arbeiten seitdem nur mit Illustrationen.

Der Verlag hieß also von Anfang an kunstanstifter?
Ja, von Anfang an. Die Bücher musste immer etwas künstlerisches haben. Wir haben u.a. mit einem befreundeten Koch ein Kochbuch gemacht, dann aber keinen Food-Fotografen genommen, sondern einen Kunstfotografen, der das Essen ganz ungekünstelt abgelichtet hat, also so, wie es auch auf den Tisch kam.

Der Name ist ziemlich sprechend: Sie wollen die Leser zur Kunst „anstiften“? Wie kamen Sie auf den Namen?
Eigentlich war genau das der Gedanke, wir wollen unsere Leser zur Kunst anstiften. Der Name kam von einer Ausstellung, die wir mit dem alten Verlag, in dem wir vorher gearbeitet haben, organisiert hatten. Wir fanden, dass der Name sehr gut zu künstlerischen Büchern, wie wir sie verlegen, passt.

kunstanstifter verlag

Aus dem Buch „Und dann platzt der Kopf“ von Christina Röckl

In Ihre Profil steht, Sie machen „Bilderbücher für Kinder und Erwachsene“. Brauchen Erwachsene überhaupt Bilderbücher?
Unbedingt! Viele mögen ja gut gemachte Bücher wie schön illustrierte Ausgaben. Und es gibt ja auch viele literarische Werke – z.B. „Frühlings Erwachen“ von Wedekind oder Bücher von Adalbert von Chamisso – die, obwohl sie schon 100 Jahre alt oder älter sind, noch nie auf dem deutschen Markt illustriert wurden.

Was ist denn für gewöhnlich zuerst da: Der Text, für den Sie einen Illustrator suchen, oder der Illustrator, mit dem Sie einen passenden Text auswählen?
Wir gehen eigentlich alle Wege davon! Wir haben die Illustratoren, die sich einen bestimmten Text für ihre Illustrationen vorgenommen haben – z.B. Franziska Walter und die Texte von Adalbert von Chamisso. Dann haben wir den Fall, dass ein Autor mit einem Text kommt und wir einen passenden Illustrator aus unserem Verzeichnis suchen. Oder wir haben vorab schon ein Gespann aus Illustrator und Autor, die sich zusammengefunden haben und mit einem Projekt zu uns kommen. Es gibt also alle Möglichkeiten! Manchmal haben wir einen tollen Text gefunden – gerade ist es „Liegender Akt in Blau“ -, der ohne Bilder daherkommt. Da fällt uns dann Christina Röckl ein, deren Arbeiten dazu passen würden. Sie hat sich auch wirklich in den Text vertieft, ist die einzelnen Schauplätze des Romans in Frankreich abgereist und hat sich für ihre Zeichnungen inspirieren lassen.

Bei Franziska Walther und dem Buch „Werther reloaded“ kommt natürlich noch das schriftstellerische Talent hinzu, mit dem sie den Text in die moderne Zeit geholt hat. Sie war also Autor und Illustratorin im Paket. Oft haben wir Illustratoren, die können zwar tolle Bilder machen, aber die nicht in einem Buch umsetzen, da brauchen wir zusätzlich noch Buch-Gestalter.

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„Es ist unser Anliegen schöne Bücher zu machen, die man gerne im Regal stehen hat“
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Ein Blick in Ihr Verlagsprogramm und es fällt auf: Fast jedes Buch wurde bereits mit irgendeinem Preis ausgezeichnet. Werden die Illustratoren schon nach „Auszeichnungsfähigkeit“ ausgesucht?
Auf der Homepage haben wir noch nichtmal alle Preise erwähnt, wir kommen gar nicht nach damit. Uns ist der Name der Illustratoren aber zunächst egal, auch die Tatsache, ob sie schon ausgezeichnet wurden oder nicht. Das ist kein Auswahlkriterium für uns. Uns als Team müssen die Bilder gefallen und es fließt auch viel Liebe von uns in die Bücher. Fast alle sind ja in unterschiedlichen Formaten gehalten und wir versuchen auch so gut wie alles möglich zu machen, was man in Deutschland noch produzieren kann. Es gibt natürlich Ideen, die kann man kommerziell nicht verwirklichen. Aber die Liebe am Detail, die wir alle haben, macht viel aus und trägt sicherlich zu den Preisen bei.

Was für Projekte könnte man denn nicht verwirklichen?
Streng genommen kann man alles produzieren – aber je aufwändiger die Produktion, desto teurer das Buch. Und wenn das am Ende 60 oder 70€ kostet, ist das nicht wirklich marktkompatibel. Ich habe aber eine Liste, was ich gerne mal verwirklichen würde: Zum Beispiel ein Pop-up Buch. Aber das ist hier nicht umsetzbar – da müssten wir im Ausland produzieren, und das möchten wir nicht.

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Aus dem Buch „Sonntags um halb vier. von Buttercreme und Zuckerguss“ von Sabine Kranz

Alle Bücher werden also komplett in Deutschland hergestellt?
Ja, wir drucken nur in Deutschland. Früher haben wir sogar nur regional gedruckt, um auch bei der Druckabnahme dabei zu sein. Mittlerweile machen wir das deutschlandweit und auch die Illustratoren und Buch-Gestalter können bei der Druckabnahme dabei sein. Das ist uns wichtig und wir wollen das auch beibehalten. Alle Druckereien haben eine Bio-Zertifizierung und nutzen mineralölfreie Farben, wir verwenden hauptsächlich FSC-Papier, Co2-neutral und umweltfreundlich sein.

Wie viele Bücher werden pro Jahr im Durchschnitt hergestellt?
Zwischen acht und zwölf, würde ich sagen. Zwölf ist aber unser Maximum. Im Schnitt rechnen wir mit zehn pro Jahr, aber wenn dann ein tolles Manuskript geliefert wird, das fast fertig ist – da kann man auch nicht widerstehen und muss es dann halt noch irgendwie unterbringen.

Was ist denn für die nächste Zeit geplant?
Also im nächsten Frühjahr wird es einige Kinderbücher geben – wobei wir uns mit der Klassifikation als Kinderbuch etwas schwer tun, sie werden ja auch von vielen Erwachsenen gern gelesen, mit Kindern oder auch allein.

Vielen Dank für das Interview!

Meine Rezensionen zu den Büchern aus dem kunstanstifter Verlag findet ihr hier.

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