John Bock: „Im Moloch der Wesenspräsenz“

John Bock, Berlinische Galerie

Ich war gerade mit Sack und Pack von Köln nach Berlin gezogen und streunte durch die Straßen, die vor sommerlicher Hitze flimmerten, als ich gegenüber des Berliner Doms Unter den Linden auf die Temporäre Kunsthalle stieß. „FischGrätenMelkStand“ war die Ausstellung betitelt, ich wurde neugierig, ging hinein – und wurde zum ersten Mal in den wunderlichen Kosmos von John Bock hineingezogen… Nun widmet die Berlinische Galerie dem eigenwilligen Künstler seine erste museale Ausstellung – und auch die ist erfrischend anders!

Irgendwie schüchtern wirkt John Bock, als er auf der Pressekonferenz vor der versammelten Journalisten-Meute steht und sich an das Mikrofon klammert. Er trägt ein rotes Holzfällerhemd, dazu schwere Stiefel und seine Haare sind ebenso wirr wie seine Worte: Von „Summenmutationen“ ist da die Rede, von Triebkreaturen, Sockenskulpturen und Wesenspräzenz. Ein Moloch der Begriffe, in den man unweigerlich hineinzurutschen droht.

John Bock, geboren 1965, ist vieles zugleich: Filmemacher, Aktionskünstler, Bildhauer, Zeichner und Autor; seine erste museale Ausstellung, so heißt es, sei „Freakshow, Bühne, Versuchslabor und Kino“ zugleich und das trifft es ganz gut. Mitten in der Halle steht das Heck eines Kombis, die Vorderseite fehlt. Man kann sich auf die Sitze setzen und auf einen Fernseher schauen, in dem zwei Personen ebenfalls in einem Auto sitzen, der Beifahrer wickelt sich eine Art Gedärm um die Schultern und diskutiert mit der Fahrerin.

Neben dem Kombi trennen aufgespannte, wild gemusterte Handtücher und Decken eine kreisrunde Skulptur aus gestopften Socken ab (sie heißt „Sexy Socks“), auch in diese kann man hineinklettern und steht vor einem Fernseher, auf dem ein Film von Bock zu sehen ist. An einer Pappwand klemmt eine Hornbrille, die sich in einem unhörbaren Takt bewegt, in einer Glasvitrine liegen zwei Gräten eines Herings an einem Wollfaden gespannt, daneben ein Häkelkissen mit einer weiteren Hornbrille. Insgesamt sind es 11 „Summenmutationen“, die Bock hier installiert hat. Es ist ein großes Durcheinander – und merkwürdigerweise ergibt alles Sinn!

Alle Bestandteile der Ausstellung wuchern ineinander, verzahnen und vermischen sich, ja, es scheint gar, als wären diese Exponate in ihrer Gesamtheit ein atmender und pulsierender Organismus, der den Besucher in sein Innerstes lotst, um ihm dort die Orientierung zu nehmen. Mit jeder Station bewegt man sich tiefer in die wundersame Welt des John Bock, wird mit allen Sinnen angesprochen und weiß manchmal gar nicht: Wohin zuerst schauen?

John Bock „Im Moloch der Wesenspräsenz“
bis zum 21. August 2017 in der Berlinischen Galerie
Geöffnet Mittwoch bis Montag, 10-18 Uhr (Dienstag geschlossen)
Eintritt 8€/5€ ermäßigt – jeden 1. Montag im Montag 4€

john bock

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.