Logbuch zur Frankfurter Buchmesse 2017

buchmesse

Was macht man als Journalistin und Literaturbloggerin eigentlich so alles auf einer Buchmesse? Wie schon für Leipzig habe ich auch für Frankfurt ein „Logbuch“ geführt.

Mittwoch, 11. Oktober, 6.04 Uhr
Berlin Hauptbahnhof
Uiuiui – das ist einfach nicht meine Zeit. Als ich mit einem großen Kaffee auf dem Bahnsteig darauf warte, dass der Express Richtung Frankfurt einfährt, spüre ich vor allem eins: große Müdigkeit. Den Abend vorher hatte ich bis 22 Uhr mit Yoga-Unterricht und Aufräumen des Raumes verbracht, nun grüble ich kurz darüber, warum ich eigentlich so viele Jobs haben muss. Ein kleines Schläfchen und ein Gespräch mit Alexander Weidel vom Secessions Verlag später, der ganz zufällig neben mir sitzt, bin ich wach und die Vorfreude steigt: Zweieinhalb Tage auf der Frankfurter Buchmesse, yeah! Ich mache das wahrlich nicht zum ersten Mal (und erwähne an dieser Stelle nochmal, dass ich als Buchhändlerkind schon 1984, also mit noch nichtmal einem Jahr, durch die Messe-Hallen geschoben wurde und seitdem nur wenige Ausgaben verpasst habe) – und bin doch immer wieder höchst aufgeregt!

buchmesse10 Uhr
Gastland Frankreich
Ganz anders als in den Jahren zuvor betrete ich, auf der Messe angekommen, als erstes die Halle des Gastlandes. Frankreich machte für dieses Jahr das Rennen und ich mir im Rahmen dessen Gedanken darüber, was ich eigentlich an Lieblingsbüchern aus Frankreich im Regal stehen habe. In der Halle herrscht große Geschäftigkeit, es riecht nach dem hellen Holz der Ausstellungsarchitektur und alles ist sehr bunt. So richtig erwärmen kann ich mich für die Präsentation aber doch nicht.

13 Uhr
Halle 4.1. / Suhrkamp Verlag
Gefühlt habe ich schon einige Kilometer abgelaufen, als ich in einem der Hallengänge auf Jochen von lustauflesen.de stoße. Gemeinsam halten wir ein Schwätzchen am Suhrkamp-Stand, dessen „Beauftragten für Blogger“ – etwas umständlich ausgedrückt – ich schon längst einmal persönlich kennenlernen wollte. Wie bei einigen Verlagen, die ich nur über den Schriftverkehr kenne, trennen mich und das Verlagshaus in Berlin nur wenige Meter Luftlinie. Das Robert Menasse kurz vorher mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet worden war, ist natürlich ein Glücksfall für Suhrkamp, doch auch – oder gerade – das restliche Programm hat so viel tolles zu bieten. Wir sprechen über das kleine Büchlein Stille von Erling Kagge, welches mich auf meinem Urlaub in Frankreich begleitet hat. Von Stille sind wir im Gesumme des Bücher-Bienenstocks natürlich weit entfernt!

15 Uhr
Halle 3.0. / Ullstein Buchverlage
Bisher habe ich selten Termine auf den Messen gemacht, bei denen mir das nächste Programm vorgestellt wurde – meistens bin ich nämlich zu dem Zeitpunkt noch tief im aktuellen Herbst- oder Frühjahrsprogramm vertieft! Doch als ich Gérard von sounds & books mit Susann von ullstein fünf zusammensitzen sehe, schließe ich mich kurzerhand an. Das ullstein fünf Programm hat mich seit seinem Bestehen so durch und durch überzeugt (besprochen habe ich u.a. die Bücher von Ada Dorian, Niah Finnik, Svenja Graefen und Sina Pousset), dass ich mir sicher bin, auch bei den nächsten Büchern Volltreffer zu landen!

buchmesse17 Uhr
Halle 4.1. / Edition Büchergilde
Zurück in Halle 4.1. – hier habe ich die Chance, bei der „Happy Hour“ der Edition Büchergilde ein paar Bloggerkollegen und Kolleginnen – mit dabei sind u.a. Sarah (pinkfisch), Isabella (novellieren), Maike und Mareike (Herzpotential), Malu (Buchbüchse) und Jochen (lustauflesen.de) – zu treffen und die Büchergilde mal „persönlich“ kennenzulernen – seit kurzem steuere ich nämlich regelmäßig Texte für das Büchergilde Magazin bei. Bei hessischem „Ebbelwoi“ aus den typischen geriffelten Gläsern quatschen wir über die bisherigen Erlebnisse auf der Messe und es fühlt sich ein wenig nach Klassentreffen. an.

Donnerstag, 12. Oktober, 10 Uhr
Halle 4.1.
Der Tag beginnt mit Kaffee und Croissants am Stand von Matthes & Seitz. Zwischen den aufwändig gemachten Büchern – allen voran denen aus der Naturkunde-Reihe – habe ich stets lauter Herzchen in den Augen. Ein ganzes Buch über den Esel, das Schaf oder das Nashorn! Ich beschließe, dem Verlag bei nächster Gelegenheit nochmal einen Besuch abzustatten – schließlich wohne ich in Berlin auch gleich um die Ecke.

11 Uhr
Halle 3.0.
Blogger-Treffen am Stand des Atlantik Verlags. Mein Lese-Schwerpunkt liegt eigentlich auf, ich sage mal: Literatur, die etwas ernsthafter und schwer ist – aber ab und zu muss es auch mal was fürs Herz sein und da ist der Atlantik Verlag immer eine gute Adresse! Heute – auch hier dem Gastland Frankreich zur Ehre – stehen uns Antoine Laurain und Lorraine Fouchet Rede und Antwort, der Dritte im Bunde, Grégoire Delacourt, ist leider krank. Ich denke ja nur ungern in Klischees, aber Antoine Laurain sieht wirklich sehr französisch aus, ähnelt mit seinem weit aufgeknöpften Jeanshemd ein wenig Serge Gainsbourg. Seine Signatur für mich hat fast die Länge eines weiteren Romans.

buchmesse12 Uhr
Freifläche zwischen den Hallen
Wenn ich schonmal in Frankfurt bin, kann ich auch gleich weitere Termine machen: Zur Mittagszeit lerne ich endlich einmal den Chefredakteur des Schirn Mags, dem Magazin der Schirn Kunsthalle Frankfurt, persönlich kennen. Seit anderthalb Jahren schreibe ich regelmäßig über Ausstellungen in Berlin oder über kunsthistorische Themen, doch das läuft heutzutage ja alles über E-Mails. Wir sitzen bei Kaffee in der Sonne und ich brauche noch nicht einmal einen Mantel, so ungewöhnlich warm ist es für Mitte Oktober.

14 Uhr
Halle 4.1. / Orbanism Space
Natürlich könnte man sich auch in Berlin in einem der zahlreichen Cafés verabreden, aber auf der Messe macht das gleich doppelt Spaß! Sebastian Guhr und ich sind alte Kollegen und ich freue mich gleich doppelt: darüber, ihn nach langer Zeit mal wieder zu sehen und über seinen neuen Roman Die Verbesserung unserer Träume, der kürzlich im Luftschacht Verlag erschienen ist. Gemeinsam besuchen wir eine Podiumsdiskussion im Orbanism Space, es geht darum, wie Autoren und Journalisten mit Verrissen bzw. schlechter Kritik umgehen. Und zunächst einmal um Klagenfurt: „Eigentlich ist Klagenfurt nichts anderes als ‚Deutschland sucht den Superstar‘ und einer von den Kritikern macht auch immer den Dieter Bohlen“, schmunzelt Jackie Thomas. Bei Verrissen sind sie sich einig, dass es auf jeden Fall wichtig sei, ihn gut zu begründen. Doch Margarete Storkowski gibt zu: „Heutzutage schreibe ich nicht mehr so viele Verrisse, vor allem nicht über junge Autoren – denn das tut denen noch richtig weh“. Ich grüble eine Weile darüber nach, ob das wirklich ein gutes Argument ist.

16 Uhr
Halle 3.1. / Verlag Kiepenheuer & Witsch
Anders als in Leipzig habe ich mir für Frankfurt nur einen einzigen Interview-Termin gemacht: Und zwar mit Sonja Heiss, die kürzlich bei KiWi ihr Romandebüt Rimini veröffentlicht hat. Dank eines ziemlich trotteligen Briefträgers hatte ich den Text zunächst nicht als Printausgabe, sondern nur als PDF-Version vorliegen. Ich lese literarische Texte absolut ungern auf elektronischen Medien – doch bei Rimini war ich so eingenommen von der Geschichte, dass ich den Bildschirm völlig ausblenden konnte (und war trotzdem froh, als das Printexemplar doch noch ankam). In einer halben Stunde quatsche ich mit der Autorin über verkorkste Familien, überhöhte Ansprüche an die eigenen Kinder und warum es vielen so schwerfällt, die Eltern regelmäßig anzurufen. Es wäre wundervoll, in Zukunft noch mehr von ihr lesen zu dürfen!

buchmesse17 Uhr
Halle 4.1. / Edition Büchergilde
In diesen Tagen laufe ich einen erstaunlichen Zickzackkurs durch die Messehallen, der mir in den vergangenen Jahren gar nicht aufgefallen ist. Nun also wieder in die nach meinem Gefühl gemütlichste Halle zu einem Blogger-/Mitarbeiter-Treffen der Büchergilde! Ich schnacke eine Runde mit Malu und wir ziehen gemeinsam einen Gang weiter: Traditionell stoßen die Unabhängigen Verlage, die sich hier alle auf einem Fleck tummeln, am Donnerstagnachmittag gemeinsam an. An jedem Stand gibt es Wein und Häppchen, dazu lauter Gespräche, Wiedersehen und Neuentdeckungen. Von Isabella (novellieren) und Tobias (Buchrevier) lasse ich mir – völlig unparteiisch – noch einmal den Gewinner des Blogbusterpreises (Wer ist B. Travert von Torsten Seifert, gerade bei Klett-Cotta erschienen) ans Herz legen.

Obwohl die Hallen schon längst geschlossen sein sollten, summt und brummt es in den Gängen; mein letztes Gespräch für heute führe ich mit Stefan Weidle vom Weidle Verlag über den überwältigend facettenreichen Roman Dagny oder Ein Fest der Liebe von Zurab Karumidze. Der steht dann auch plötzlich neben mir und erklärt, auf meine Frage hin, dass er diese literarische Reizüberflutung durchaus gewollt hätte. Man könne gar nicht alle Anspielungen verstehen! Jetzt freue ich mich noch mehr auf die weitere Lektüre.

Freitag, 13. Oktober, 9.30 Uhr
Halle 3.0. / Ullstein Buchverlage
Mein letzter Termin auf der Buchmesse und ein krönender Abschluss: Das Champagner-Frühstück beim Ullstein Verlag. Angesichts der gefühlten Unmengen an Alkohol, die ich auf der Messe (und an den Abenden mit meinem Gastgeber) getrunken habe, bestelle ich mir aber doch lieber einen Kaffee. Bekannte Gesichter auch hier – und Neuentdeckungen im Bücherregal: Sophie Divry ist anlässlich der Übersetzung ihres Romans Als der Teufel aus dem Badezimmer kam am Stand. Und meine Liste der „Bücher, die ich unbedingt lesen möchte“, ist schon wieder um einen Titel reicher…

Ich danke euch allen, dass ihr meinen Besuch auf der Frankfurter Buchmesse zu zweieinhalb wundervollen und ereignisreichen Tagen gemacht habt! Wir sehen uns in Leipzig!

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