Messe-Gastland Frankreich: 3 Lieblingsklassiker französischer Literatur

Frankreich

Frankreich ist in diesem Herbst Gastland auf der Frankfurter Buchmesse. Zeit, mal wieder einen Blick auf drei französische Klassiker zu werfen! 

Bonjour chers lecteurs! Ich war einige Jahre nicht mehr in Frankreich gewesen, als ich kürzlich recht spontan mit dem Mann zu Freunden nach Südfrankreich flog, die momentan das umgebaute Schloss eines Bekannten hüteten. Mit Blick auf die Pyrenäen saß ich dort bei einem Café au lait auf der Terasse und kramte die spärlichen Sätze und Vokabeln heraus, die ich in zwei Jahren Unterricht auf dem Gymnasium und einem Schüleraustausch in die Bretagne gelernt hatte. Es war alles etwas eingerostet. Je ne parle pas très bien le français, mais je le comprends assez bien!

Mit den Gedanken schon bei der Frankfurter Buchmesse und dem Jonglieren verschiedener Termine, überlegte ich, was ich eigentlich zuletzt von französischen Autor*innen gelesen hatte – und musste zunächst passen. Gefühlt wird die frankophone Literatur so vollständig in die Deutsche Sprache übersetzt, dass ich gar nicht immer merke, wenn ich etwas aus diesem Sprachkreis lese. Doch ein bewusster Blick in mein Bücherregal zeigte mir, dass es tatsächlich drei Bücher aus Frankreich gibt, die mir seit Jahren sehr am Herz liegen – erstaunlicherweise sind sie alle mindestens sechs Jahrzehnte alt…

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Simone de Beauvoir
Sie kam und blieb (1943)

In meinem (leider nicht mehr existierenden) Lieblings-Antiquariat in Köln fand ich zu Beginn meines Literaturstudiums eine Taschenbuchausgabe von Sie kam und blieb – dem ersten Roman von de Beauvoir aus dem Jahre 1983, meinem Geburtsjahr. Sie ist vergilbt und zerlesen, doch duftet sie aus irgendeinem Grund nicht muffig, sondern lieblich. Und ihr Inhalt ist noch betörender: Francoise und Pierre leben und arbeiten als Schriftstellerin und Schauspieler im Milieu der Pariser Bohème, verbringen ihre Nächte mit flaschenweise Pastis in Cafés und haben die Abmachung, sich gegenseitig größtmögliche Freiheit zu lassen – auch in Liebesdingen.

Doch dann tritt Xavière auf die Bühne und verdreht gleich beiden den Kopf:
„Ein düsterer Engel war Xavière, mit sanften Frauenhänden, den geröteten Händen einer jungen Bäuerin, mit Lippen, die nach Honig, blondem Tabak und grünem Tee dufteten. Xavière, du köstliches Geschöpf, dachte Francoise.“ In der Theorie mag sexuelle Freiheit sehr schön klingen, doch in der Umsetzung ist es oftmals äußerst schwer – so lassen auch in dieser ménage à trois die Probleme nicht lange auf sich warten… Simone de Beauvoir hat in diesem Roman, unschwer zu erkennen, ihre offene Beziehung zu Jean-Paul Sartre anklingen lassen; doch das Buch ist noch viel mehr – vor allem entfaltet es einen wahren Sog aus Leidenschaft, dass man sich als Leser an den Buchdeckel klammern muss, wenn man nicht hineingezogen werden möchte!

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Henri-Pierre Roché
Jules und Jim (1953)

Anfang der 1960er Jahre verfilmte François Truffaut den Roman Jules und Jim und schrieb sich damit in die Filmgeschichte ein. Der Film ist absolut sehenswert, doch das dahinter steckende Buch verdient nicht weniger Aufmerksamkeit! 1907 treffen sich der Deutsche Jules und der Franzose Jim in Paris und werden dicke Freunde: Sie teilen alles, den Alkohol, die Kunst und auch die Frauen. Doch als Kathe dazu stößt, hört der Spaß auf. Jules heiratet Kathe und zieht mit ihr zurück nach Deutschland, Jim hat das Nachsehen und bleibt zurück.

Bis das flotte Dreiergespann sich einige Jahre wiedertrifft und diesmal auch Jim zum Zuge kommt – sehr zum Missfallen Jules… Roché schrieb die Geschichte in Anlehnung an ein eigenes Erlebnis: er verliebte sich nämlich einst in die schöne Berlinerin Helene Hessel, die damals dummerweise schon mit Franz Hessel (dem bekannten Stadtflaneur) verheiratet war. Nach dem Text von Simone de Beauvoir empfehle ich euch also hiermit eine zweite ménage à trois – es scheint mir, die Franzosen haben eine Vorliebe dafür!

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Françoise Sagan
Bonjour Tristesse (1954)

Wie überraschend: Auch im kleinen Büchlein Bonjour Tristesse geht es um Liebe und eine Dreiecksbeziehung – allerdings in der Kombination Vater – Geliebte – Tochter. Cécile ist süße siebzehn und verbringt die Sommerferien mit ihrem Vater am Mittelmeer. Dass sie zuvor durch die Prüfungen an der Schule gerasselt war, interessiert sie nicht, sie genießt die Freiheit, die Sonne, das Meer. Ebenso wie ihr Vater. Doch als dieser Anne Larsen kennenlernt, wendet sich das Blatt: Cécile ist nicht bereit, ihren Vater mit einer anderen Frau zu teilen und ihren sorglosen Lebensstil zu beenden und so setzt sie all ihre Kraft dafür ein, einen Keil zwischen die beiden Erwachsenen zu treiben. Das hat fatale Folgen.

Françoise Sagan schrieb diesen Roman binnen weniger Wochen und auch noch in einem zarten Alter von 18 Jahren, was für ordentlich Aufruhr im damaligen Literaturbetrieb sorgte. Mittlerweile wirkt die Geschichte nicht mehr ganz so skandalös, hat aber nichts von ihrer Kraft verloren!

Und jetzt ihr: Welches sind eure all-time-favourites – oder besser livres préférés – aus dem französischsprachigen Raum?

Foto: Nil Castellví

7 Kommentare

  1. Stefan Kümmel

    Danke für das Erinnern an Roche!!! Truffaut verfilmte auch Roches anderen Roman“ Zwei Mädchen vom Kontinent“ – ebenfalls sehr lesenswert! Aber “ Jules & Jim“ ist ein moderner Klassiker!!
    Ich würde noch “ Die Schöne des Herren“ von Albert Cohen nennen, sowie “ Zeremonie des Abschieds „von Simone de B/ Sartre

  2. Jean-Michel Roesch

    Jean-Paul Sartre l’Etre et le néant oder Albert Camus L’Etranger aber auch Louis Ferdinand Celine Voyqge au bout de la nuit

  3. Ich habe mich bisher leider auch noch nicht viel mit französischer Literatur beschäftigt, aber dein Post regt mich dazu an es nun zu tun. Also danke für die Inspiration 🙂

    Liebe Grüße
    AnnaTeresa

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