„Nun sag, wie hast du’s mit der Kultur?“ – hello mrs eve

Kea in ihrem Wohnzimmer / Foto: Kea von Garnier

„Nun sag, wie hast du’s mit der Kultur?“ Es gab eine längere Pause in meiner Interview-Reihe, aber nun frage ich mich fröhlich weiter durch die Blogosphäre. Diesmal ist Kea mit ihrem zauberhaften Blog hello mrs eve bei mir zu Gast!

Liebe Kea, vielen Dank, dass du Teil meiner Interview-Reihe bist! Kommen wir gleich zum Wesentlichen: Dein Blog „Hello Mrs Eve“ dreht sich um „Poetry & Furniture“. Eine ungewöhnliche Kombi – wie kam es dazu?
Hallo liebe Julia, ich freue mich, dass ich dabei sein darf bei deiner schönen Reihe! Zu poetry & furniture kam es über einen Umweg: Poesie und Literatur sind meine ersten großen Lieben. Die Leidenschaft für Inneneinrichtung kam eigentlich erst später dazu und brachte mich zum Bloggen. Weil es sich nach einem Jahr aber für mich nicht mehr stimmig angefühlt hat, „nur“ über DIYs und Wohntrends zu schreiben, habe ich meinen Blog für meine eigenen Texte und Essays geöffnet – mit ordentlich Herzklopfen! Umso schöner war es dann für mich, zu erleben, dass meine Leserinnen diese Erweiterung des Spektrums mitgegangen sind.

Von Texten über die „wahre Berufung“ im Leben und Entschleunigung bis hin zu DIY-Anleitungen für alternative Kronleuchter umfasst dein Blog ein ziemlich weites Feld. Wo findest du die Inspiration für deine Posts?
Inspiriert werde ich durch Zeitschriften, Künstler, Bücher, spannende Geschichten in Talk-Shows (ich liebe zum Beispiel das Nacht-Café), die Natur, Blogs, Musik, Berlin. Der Impuls, diese Inspiration für meine Leser erfahrbar zu machen, in dem ich darüber schreibe, kommt daher, dass ich immer auf der Suche bin. Für mich ist unser Dasein eine Reise, das die großen Fragen des Lebens zu beantworten sucht. Diese Triebfeder ist enorm – mal äußert sie sich dann in der reinen Lust am kreativen Tun, am Spielen und Erschaffen und ich fädele 600 Holzperlen zu einem Kronenleuchter, mal lasse ich meinen Gedanken in einem Essay über die eigene Lebens-Vision freien Lauf. Ursprung von beidem sind immer Neugier und Sehnsucht.

Kultur

Foto: Kea von Garnier / Collage: Fräulein Julia

Nebenher schreibst du außerdem den Blog „Thirtyplus“ für Frauen über 30 und wuppst die Organisation der „Hauptstadtmädchen“ – wie schaffst du das alles?
Diese drei Baustellen plus meine Selbstständigkeit und die Pendelei zwischen meinen zwei Wohnorten Berlin und Wiesbaden waren am Ende doch zu viel – ich bin seit einigen Wochen dabei, das Tempo rauszunehmen. Muss ich auch, denn zum kommenden Wintersemester winkt noch mein zweites Studium 🙂 Ich hege immer noch viel Leidenschaft für alle meine Projekte, habe mich aber vor einiger Zeit in Ruhe mit mir hingesetzt und mich gefragt: Was ist mein Ziel? Wo will ich in allererster Linie hin? Die Antwort darauf war, Zeit für mein Schreiben zu finden. Nun ordne ich alles diesem Wunsch unter und merke, wie gut es mir tut. Möglich, dass sich dieser Fokus irgendwann wieder verschiebt, aber bis dahin gehe ich auf diesem Weg weiter. Solange, wie es sich richtig anfühlt.

Und nun die Gretchenfrage: Nun sag, wie hast du’s mit der Kultur?
Ich entdecke sie wieder, würde ich sagen. Trotzdem denke ich oft, du müsstest doch mehr in Ausstellungen gehen, ins Konzert, zu Lesungen. Die Jahre in meinen Zwanzigern waren diesbezüglich eine ziemliche Durststrecke. Ich hatte mich in einem Studium verloren, das mein Hirn nicht ausfüllte und betäubte meinen Frust darüber eher im örtlichen Einkaufszentrum als im Theater. Mit der Entscheidung, mich beruflich noch mal neu zu orientieren und noch mal über Los zu gehen, hat diese kulturelle Ödnis zum Glück ein Ende gefunden. Neulich Abend war ich in einer so wundervollen Bühnenfassung von Jane Eyre, das ich danach völlig beseelt in den Sommerabend hinausgetaumelt bin und dieser Zauber noch lange Zeit anhielt. Kultur kann ein wundervoller Quell der Inspiration sein!

Du lebst und arbeitest sowohl im Rhein-Main-Gebiet als auch in Berlin. Welche kulturellen „Hotspots“ kannst du in den beiden Gegenden empfehlen?
Ich habe tolle Poetry Slams in Berlin gesehen, großartige Aufführungen in den Staatstheatern in Mainz und Wiesbaden, japanische Farbholzschnitte in Frankfurt. An einem bestimmten Ort würde ich das nicht festmachen wollen, die Welt der Kultur ist so vielfältig! Oft sehe ich Plakate in U-Bahn-Unterführungen, die mich dann in eine Ausstellung locken. Also würde ich empfehlen, einfach der Nase nach zu gehen, einen Blick in den Veranstaltungskalender zu werfen und das auszusuchen, das einen spontan anspricht. Da gibt es kein ›richtig‹ oder ›falsch‹, sondern nur die Möglichkeit, den eigenen Horizont zu erweitern. Manches Mal wird man summende Finger vom minutenlangen Applaus haben, anderes Mal ab der Pause gegen den Schlaf ankämpfen 😉 Beides ist okay und gehört dazu, denke ich.

Kultur

Foto: Kea von Garnier / Collage: Fräulein Julia

Welche Ausstellung hast du als letztes besucht und welche möchtest du unbedingt noch sehen?
„Ein Stück norddeutscher Himmel“ im Landesmuseum in Mainz – dort waren einige Arbeiten der Expressionisten der Brücke-Gruppe zu bewundern. So ein herrlich wohltuendes, farbgewaltiges Gegengewicht zur gefilterten Instagram-Ästhetik! Mein nächster geplanter Besuch wird mich in die Schirn führen, dort beginnt im Juli eine Ausstellung über Farbholz-Schnitte in Wien um 1900.

Und wie schaut es mit deinem Bücherregal aus – ist der Inhalt nach einem bestimmten System sortiert oder liegt alles kreuz und quer in der Gegend herum?
Ohgott, sowas von kreuz und quer! Wobei – die crème de la crème hat ein Extra Abteil. Da stehen meine Lieblinge, immer griffbereit, damit ich bei Bedarf schnell eins zücken kann und mich an den besonders schönen Passagen erfreuen kann. Für mich ein bisschen wie meine literarische Pralinenschachtel.

Was liegt ganz oben auf deinem „Stapel der ungelesenen Bücher?“
Konsum der Romantik von Eva Illouz und Homo Faber von Frisch.

Gibt es ein Buch, einen Song oder ein Zitat, das/der dich in den letzten Monaten besonders berührt hat?
Puh, eins? Das waren so viele! Spontan würde ich aber sagen, dass Virginia Woolf einen Volltreffer gelandet hat. Die Taschenbuch-Ausgabe ihres Essays „ Ein Zimmer für sich allein“, in dem sie materielle Sicherheit und einen eigenen Rückzugsort als Rahmenbedingungen für literarisch schaffende Frauen definiert, habe ich während der Lektüre mehrmals heftig an mein Herz drücken müssen. So eine wundervolle Mischung aus wachem Geist, feinem Humor und hinreißenden Beschreibungen! Jedes Mal, wenn ich die vielen Sätze lese, die ich darin unterstrichen habe, verliebe ich mich erneut in Virginia. Sie hat mir den Mut in die Seele gesät, wieder zu schreiben, ganz unabhängig davon, wieviel Erfolg ich damit haben könnte. Denn sie sagt: » ›Dieses große Buch‹, ›dieses wertlose Buch‹, das gleiche Buch wird mit beiden Namen belegt. Lob und Tadel bedeuten beide nichts. (…) Solange man schreibt, was man zu schreiben wünscht, ist nur das allein wichtig; und ob es nun für lange Zeit wichtig ist, oder nur für Stunden, kann niemand sagen.«

Vielen DanK!

1 Kommentare

  1. Liebe Julia, wie schön, bei so einer vielseitig interessierten und wachen Blog-Autorin zu Gast zu sein! Ich habe deine Fragen sehr genossen, die so gar nicht 0-8-15, sondern im Gegenteil, richtig inspirierend waren. Allein der Blick in’s Essay von Virgina, aus dem ich das Zitat abgetippt habe, war wieder so ein Genuss! Ich hoffe, dass auch einige meiner LeserInnen deinen schönen Blog für sich entdecken 🙂 Liebe Grüße! Kea

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