„Nun sag, wie hast du’s mit der Kultur?!“ – meingefangen

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Ein Blick auf den Blog „meingefangen“ von Produktdesignerin Franziska und ich werde herrlich entspannt. Hier ist alles schlicht, schön und aufgeräumt – und trotzdem von oben bis unten vollgepackt mit Inspiration! Wo sie diese hernimmt, habe ich die Wahl-Berlinerin u.a. gefragt.

Liebe Franziska, dein Blog „meingefangen“ ist ein wahres visuelles Leckerli! Wann und wie bist du auf die Idee gekommen, einen eigenen Blog ins Leben zu rufen?
Das ist mal ein Kompliment! Danke!
Im Januar 2010 hab ich auf meingefangen angefangen zu bloggen – noch ganz im ursprünglichen Sinne eines „private blogs“. Ich bin damals erst zum Studium nach Berlin gezogen und hatte mit dem Bloggen eine Möglichkeit gefunden, alles Neue mit Familie und Freunden ganz unkompliziert zu teilen. Und aus dem Nähkästchen gesprochen: Der Blog war mein kreatives Output, als ich mich in dem Bauhaus inspirierten Grundlagenstudium noch etwas „gelangweilt“ hatte.

Du bist Produktdesignerin und hast eine besondere Vorliebe für Textil, Keramik und „primitiv-geometrische“ Dinge. Inwiefern spiegelt sich deine Arbeit in deinem Blog wieder?
Das klare Design von meingefangen mit viel Weißraum und kontrastreicher Typographie erzählt von meiner reduzierten Handschrift als Gestalter. Inhaltlich – da musste ich meinen Blogg eben selbst noch einmal ansehen – taucht mein Designdasein eher subtil auf: Es sind Oberflächenstrukturen auf Fotos; der Teller, auf dem sich ein neues Rezept präsentiert, oder die Designshops in meinen Kopenhagen-Tipps.

Reiseberichte, Berlin-Tipps, Gedankenstränge und Rezepte – deine Themenauswahl ist ganz schön vielfältig. Wo findest du die Inspiration für deine Posts?
Ich zeige auf meinem Blog all das, was mir über den Weg läuft. Das Leben an sich ist doch schon eine unerschöpfliche Inspirationsquelle! Aber nicht aus jeder Kleinigkeit wird ein Blogpost. Ich muss schon überzeugt sein, dass die Leser mein Rezept, Strickprojekt, etc. genauso spannend finden wie ich und sich davon inspiriert fühlen. Durch die thematische Bandbreite schlängelt sich aber ein zarter, roter Faden: Guter Geschmack.

Du hast ein halbes Jahr in Kopenhagen studiert. Was macht diese Stadt für dich besonders? Was sollte man auf einem Kurztrip dorthin auf jeden Fall gesehen haben?
Die Stadt lebt eine gesunde Balance zwischen hipp und entspannt, zwischen Arbeits- und Familienleben, Traditionabewusstsein und mutigem Fortschrittsdenken. Wer diese Attribute in genau der Reihenfolge erleben möchte, dem empfehle ich: die Shops in der Jægersborggade, einen Abend im Höst Restaurant, eine Bootstour, die durch das geschäftige Viertel aus der Südwest-Seite von Chistianshavn führt, den Frederiksbergpark und einen Ausflug ins House of Finn Juhl gleich bei der kleinen Meerjungfrau. Zwischen den Stationen pendelt man natürlich mit dem Rad.

Fotos: meingefangen

Fotos: meingefangen

Ich streune mit dir für einen Tag durch Berlin und möchte vor allem all die „Geheimtipps“ rund um Textil- & Produktdesign sehen. Wohin nimmst du mich mit?
Das wird meine Lieblingsfrage!
Wir starten den Tag ganz entspannt im Companion Coffee, das Café im Voo Store. Während wir gemütlich eine Tasse Kaffee genießen, werfen wir immer mal Blicke rüber zu dem Meta Side Table, einem minimalistischen Beistelltisch vom hippen Berliner Studio New Tendency. Ein Haus weiter führe ich dich durch das Museum der Dinge und gebe dir einen kurzen Einblick in die frühe Designgeschichte um Wilhelm Wagenfeld und Frankfurter Küche. Ein kleiner Spaziergang und schon stehen wir am Moritzplatz im minimum Showroom. Dort treffen alte Klassiker wie der Eames Lounge Chair auf neues skandinavisches Design von Muuto, HAY & Co. und wir diskutieren etwas über aktuelle Einrichtungstrends. Den Hersteller der hochwertigen Polsterstoffe, die man gerade auf allen Sofas und Sesseln sieht, stelle ich dir im kvadrat Showroom am Nollendorfplatz genauer vor und weihe dich kurz in die Herstellung von Gewebe und Gestricken ein. Was textil in Sachen Mode geht, sehen wir uns bei Andreas Murkudis an. Im Interior Bereich verrate ich dir auch die Story hinter den neuen Sitzmöbeln von Konstantin Grcic für den italienischen Hersteller Mattiazzi. Wir huschen noch schnell nebenan zu VIU rein und staunen über das geniale Shopinterior: schlichte Displayboards präsentieren lauter stylische Brillen, fast unsichtbar eingehängt in einer kolossalen Steinwand. Schließlich ein kurzer Blick im Gestalten Pavillion auf textile Entwürfe von Elisa Strozyk und Mae Engelheer und Produkte von Mark Braun. In der Monkey Bar nebenan lassen wir dann den Tag ausklingen – geschafft von der Tour, voller inspirierender Eindrücke, aber mit Weitblick über Berlin.

Kommen wir jetzt zur Gretchenfrage: „Nun sag, wie hast du’s mit der Kultur?“ Welche Rolle spielt sie in deinem Leben?
Als Produktdesigner bin ich im Grunde Kulturbeobachter, -versteher und –macher zugleich. Jedes Projekt beginnt bei mir mit einer intensiven Auseinandersetzung mit konkreten Kulturkontexten: Wie tickt unsere gegenwärtige Gesellschaft? Welche neuen oder wieder zurückgekommenen Bedürfnisse müssen Produkte befriedigen? Meine Beobachtungen und Erkenntnisse verwandle ich dann in Entwürfe, in Objekte, die wiederum einen Moment unserer Kulturgeschichte festhalten.

Welche Ausstellung hast du als letztes besucht und welche möchtest du unbedingt noch sehen?
Im letzten Monat habe ich die Museumsszene unsicher gemacht: Die „Panorama“-Ausstellung über und von Konstantin Grcic im Grassi Museum Leipzig und das CCCB in Barcelona mit der fesselnden Ausstellung „Human – next species“ haben mich beeindruckt. Doch mein absolutes Highlight war das Fotografiska Museet in Stockholm. Neben großartigen Fotografien gibt es im Café oben einen unglaublichen Ausblick auf den Hafen – Augenschmaus zum Kardemummabullar.

Fotos: meingefangen

Fotos: meingefangen

Wie schaut es aus mit deinen Büchern: Hast sie nach einem bestimmten System sortiert oder liegen sie kreuz und quer durcheinander?
In meinem Kopf stehen alle Bücher kategorisch sortiert in einem langen Sideboard, das sich über die gesamte Wand im Wohnbereich erstreckt. Für den ruhigen Anblick hinter Türen – das braucht mein Auge. Status quo sieht aber ganz anders aus. Wegen meinen vielen Zwischenwohnstationen stapeln sich die meisten Bücher von mir leider noch eingepackt in Kisten. Aber die Vision ist immerhin schon da.

Welcher Roman oder welches Sachbuch liegt ganz oben auf dem „Will ich lesen“-Stapel?
Ich gehöre definitiv in die Kategorie „Sachbuchleser“. „Kreativität Aushalten/ Psychologie für Designer“ von Frank Berzbach wartet schon länger darauf, von mir verschlungen zu werden, genauso wie „Die 4-Stunden-Woche“ von Timophy Ferriss. Und weil Ausnahmen die Regel machen: Ich hab mir erst heute „Sehr gerne, Mama, du Arschbombe“ bestellt und freue mich auf lauter Lachtränen. Autorin Patricia Cammarata beweist schon auf ihrem Blog, dass sie eine echte Humorbombe ist .

Gibt es ein Zitat, einen Aphorismus oder eine Redewendung, die besonders gut zu deiner Lebenseinstellung passt?
Achtung, ziemlich cheesy: „Life is not measure by the number of breath we take but by the moment that take our breath away.“ Oder besser long story short: Qualität statt Quantität! Weniger ist mehr. Vielen lieben Dank für die spannenden Fragen!

Ich danke Dir, liebe Franziska!

Franziska findet ihr auf ihrem Blog „meingefangen„, auf Facebook, Pinterest und Instagram!

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