„Nun sag, wie hast du’s mit der Kultur?“: Was mit B

„Dickes B oben an der Spree“: Taina und Matze bloggen auf „Was mit B“ mitten aus dem Herzen Berlins. Doch auch sonst ist der Buchstabe B Aufhänger für allerlei Geschichten mitten aus dem prallen Leben. Und wie halten die Beiden es mit der Kultur?

Liebe Taina, lieber Matze, fangen wir mit den Eckdaten an: Wann und wie seit ihr auf die Idee gekommen, einen Blog zu schreiben? War es von Anfang an ein gemeinsamer Blog?
Matze: Ja und nein. Taina hatte schon länger die Idee, einen Blog zu gründen, weil sie gerne schreibt und fotografiert, sie wollte aber unbedingt noch einen Komplizen. Und der war dann ich. Was das Thema des Blogs angeht, wollten wir uns nicht gleich festlegen, ob wir ein Reise-, Szene- oder ein gesellschaftskritisches Blog machen; wir wollten einen Aufhänger, der uns Freiheit und gleichzeitig eine andere Perspektive auf die Welt gibt. In einer wilden Brainstorming-Session sind wir dann beim B gelandet, weil bei uns sowieso einfach schon viel Plan B war und wir das aber überhaupt nicht schlecht fanden. Was mit B war geboren. Das war 2013.

“Bananeneis und Blubberbrause, Broilerbar und Bonusfick, Bochum und Berlin – Was mit B ist ein Blog für Entdecker, ein Ort für die B-Seiten des Lebens“, liest man in eurer Selbstbeschreibung. Das heißt, ihr schreibt über nichts weniger als das pralle Leben?
Taina: Es müssen ja nicht immer Feuerwerk und Schampus sein – wobei Konfetti das Leben schon schöner macht. Das pralle Leben kann man aber auch wunderbar in den kleinen Dingen finden. Wir suchen ganz bewusst nach anderen Blickwinkeln auf das Alltägliche, nach Lieblingsecken, -menschen und -geschichten.

Was inspiriert euch dabei, wo findet ihr die Themen für eure Blogposts?
Matze: Das B ist unser Filter für Ideen: Manchmal reicht es, wenn ein Ort oder ein Straßenname mit B beginnt, manchmal geht es um die B-Seite einer Platte oder auch einfach um Menschen, die ungewöhnlich, also B-seitig, leben – oder um Dinge, die man auf den ersten Blick nicht unbedingt wahrnimmt. Das kann der Backwarenverkäufer auf
dem Taksim Platz in Istanbul sein, aber auch ein verlassenes Hotel aus den 20ern in den Bergen Zyperns.

Matze / Foto: © Was mit B

Matze / Foto: © Was mit B

Was bedeutet für euch „Kultur“?
Taina: Kultur heißt, dass Menschen Dinge, Orte oder Aktionen gestalten, die einen sozialen, ästhetischen oder einfach einen interessanten Neuigkeitswert haben. Kulturschaffende engagieren sich, obwohl ihr Tun vielleicht ökonomisch überhaupt nichts bringt. Insofern hat es immer auch etwas Kompromissloses, da es mit Überzeugungen, mit Weltanschauungen, mit Selbstzweck zu tun hat. Und das wiederum polarisiert und bietet Menschen, die sich damit auseinandersetzen wollen, Reibungsflächen. Und an denen kann man sich dann entwickeln oder sie einfach mit den Erfahrungen des eigenen Lebens vergleichen.

In Berlin, wo ihr beide wohnt, ist das kulturelle Angebot quasi unüberschaubar. Gibt es dennoch einen Ort für Kunst, Literatur oder Musik, den ihr besonders schätzt?
Matze: Davon gibt es Einige: Das Badehaus Szimpla (RAW Gelände), den Holzmarkt, die Berlinische Galerie oder die Neue Heimat (auch RAW Gelände). Wenn es privater zugehen soll, dann „Limo’s Tabledance“. Ganz viel Potenzial hat auch das Bethanien in Kreuzberg, wo sich gerade ein neuer Kunstverein um spannende Ausstellungen und Parties kümmert.

Welche Ausstellung habt ihr als letztes besucht und welche möchtet ihr unbedingt noch sehen?
Taina: Ich habe mir zuletzt in London in der Hayward Gallery „History is Now: 7 Artists Take on Britain“ angesehen, was vor dem Hintergrund der anstehenden General Election im Mai sehr interessant war. Die Künstler setzen sich aus völlig unterschiedlichen Perspektiven mit 70 Jahren britischer Geschichte auseinander: Da ist dann von einem schlafenden David Beckham, über Meryl Streeps Thatcher-Kostüm aus „The Iron Lady“ bis hin zu einer Aufarbeitung des BSE-Skandals aus den 90ern alles dabei.

Matze: Meine letzte Ausstellung war der diesjährige Absolventenjahrgang an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Dort gab es von Malerei über Medienkunst bis zu Illustration auf vier Etagen echt gute junge Kunst zu sehen. Vor Ende Juni wollen wir uns auf jeden Fall noch WEST:BERLIN im Ephraim-Palais hier in Berlin anschauen.

Ihr beide seid viel unterwegs. Welche Rolle spielt Kultur auf euren Reisen?
Taina: Egal wo wir sind – wir besuchen eigentlich immer eine Ausstellung, ein Museum, ein Konzert oder einen Buchladen. Darüber lernt man ein Land ja noch mal anders kennen, entwickelt einen alternativen Zugang.

Matze: Zum Beispiel war ich als Türkei-Neuling ziemlich überrascht, dass es mit dem „Istanbul Modern“ ein gar nicht so kleines und ziemlich spannendes Museum für zeitgenössische türkische Kunst am Bosporus gibt. Das hatte ich vorher überhaupt nicht auf dem Schirm.

Foto: © Was mit B

Foto: © Was mit B

Werfen wir noch einen Blick auf eure Bücherregale: Habt ihr eure Bücher nach einem bestimmten System sortiert oder liegen sie kreuz und quer durcheinander?
Taina: Seit wir zusammengezogen sind und auch unsere Bücher zusammen im Regal stehen, finden wir uns zugegebenermaßen nicht mehr wirklich zurecht. Die Minuspunkte für Übersichtlichkeit werden aber dadurch wettgemacht, dass jeder Gang zum Regal ein bisschen wie Bücherstöbern auf dem Flohmarkt ist: man findet immer was „Neues“.

Welcher Roman oder welches Sachbuch liegt ganz oben auf eurem „Will ich lesen“-Stapel?
„Kribbeln im Kopf“ von Mario Pricken (Kreativitätstechniken für Gestalter), „Bonjour Berlin“ von Oscar Coop-Phane (Ein schön geschriebener Berlin-Roman für Clubkultur-Nostalgiker zwischen Berghain, Krachkultur und 1a Drogensolidarität) und „Das Chasarische Wörterbuch“ von Milorad Pavic (ein interaktiver und ziemlich mystischer Lexikon-Roman).

Wenn ihr Berlin mit einem Satz beschreiben solltet, dann wäre das…?
Berlin hat verdammt viele B-Seiten.

Vielen Dank!

Taina und Matze findet ihr nicht nur auf ihrem Blog, sondern auch bei Facebook, Twitter, Instagram, Pinterest und Google+.

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