Ode an die Bruchlandung im Chamäleon Theater

CirkörCirkus Cirkör / Foto: Mats Bäcker
Underart

Cirkus Cirkör / Foto: Mats Bäcker

Wann seid ihr zum letzten Mal im Zirkus gewesen? Das Zirkus auch ohne Zelt, gequälte Tiere und Clowns geht zeigt das Chamäleon Theater, wo derzeit die außergewöhnliche Show „Underart“ vom Cirkus Cirkör läuft.

Die Bühne des Chamäleon Theater ist mit einem glitzernden Vorhang geschmückt, an dem geometrische Figuren in Neonfarben hängen, es glitzert und glimmert in allen Ecken. Seltsame Kästen, Podeste, Bretter und sogar ein Schlagzeug sind zu erkennen – insgesamt hat der Aufbau so gar nichts gemeinseam mit dem mit Streu bedeckten Boden eines gestreiften Zirkuszeltes, auf dem Schlangenfrauen auf Pferden herumturnen und sich mit Messern bewerfen lassen. Aber wir sind ja auch der Cirkus Cirkör!

„Underart – Ode an eine Bruchlandung“ heißt das neue Stück, mit dem die schwedische Gruppe (zu der aber auch ein Finne und zwei Deutsche gehören) derzeit in Berlin gastiert. Olle Strandberg, der das Stück geschrieben hat, verarbeitet dabei eine ganz persönliche Erfahrung: Während der Proben für ein Zirkusstück im Jahre 2005 klappte ein dreifacher Salto nur für zweieinhalb Umdrehungen – Olle knallte auf den Boden, brach sich den vierten und fünften Halswirbel und war erstmal gelähmt. Eine Situation, mit der man als Artist wohl jederzeit rechnet und die einen dann doch erstmal ziemlich aus der Bahn wirft.

Underart

Cirkus Cirkör / Foto: Mats Bäcker

Dass Olle mittlerweile wieder genesen ist, ist eine erfreuliche Sache und so konnte er sich wieder mit vollem Herzblut an den Aufbau der Show widmen. Was setzt so ein Unfall im Folgenden in Bewegung bzw. in eine Starre? Wie beweglich und gleichzeitig fragil ist unser Körper?

Zu Beginn des Stückes sehen wir Matias Salmenaho – mit langem, rotem Hipsterbart, der perfekt nach Berlin passt – wie er aus einer Tasse einen Schluck Kaffee trinkt, ohne böse Hintergedanken sozusagen – doch plötzlich lässt er die Tasse fallen, es klirrt, sie zerbricht: Eine Metapher für den Unfall Olles.

In den folgenden 90 Minuten loten die Artisten gemeinsam aus, was Bewegung bedeutet und wie man zu ihr nach so einem Einschnitt zurückfindet, balancieren sich gegenseitig auf den Händen, jonglieren, schlagen Saltos (unfallfrei), wirbeln sich gegenseitig durch die Luft und lassen Hoola-Hoop-Reifen kreiseln. Und machen gemeinsam Kopfstand – in Goldfischgläsern!

Gesprochen wird so gut wie nicht, dafür lassen die Artisten ihre Blicke und Bewegungen sprechen – bzw. die musikalischen Untermalungen von Ripple & Murmur, der Band von Anna Ahnlund und Andreas Tengblad, zu denen das erwähnte Schlagzeug auf der Bühne gehört. Wüsste man nicht, dass der Circus Cirkör aus Schweden kommt, so könnte man den Abend für eine Berlin-typische Produktion halten, wie sie diese Stadt an vielen Ecken hervorbringt. So passt sich das Stück einfach perfekt in die Atmosphäre Berlins ein!

Vielen Dank an das Chamäleon Theater für die Einladung und den außergewöhnlichen Abend!

Underart – Ode an eine Bruchlandung“ läuft noch bis Mitte Februar 2017 fast täglich im Chamäleon Theater am Hackeschen Markt. Tickets kosten zwischen 37 und 67 Euro.

 

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