Warum ich lese.

Welches mein Lieblingsbuch ist, das wurde ich schon oft gefragt. Aber warum ich mit dem Lesen angefangen habe – und es bis heute mit viel Leidenschaft lese? Sandro vom „Novelero – Blog für Literatur“ hat über seinen Zugang zu Büchern geschrieben und mich gebeten, dass auch zu tun. Also los!

Ich bin die Tochter eines Buchhändlers. Wenn ich wollte, könnte ich den Text bereits an dieser Stelle beenden, denn gibt es eine bessere Erklärung für mein Dasein als passionierte Leseratte & leidenschaftlicher Bücherwurm, dessen knarzige Altbauwohnung bis in die letzten Ecken mit Büchern vollgestopft ist? Eigentlich nicht. Aber ich erzähle gerne…

1983 geboren, besuchte ich im Jahr 1984 zum ersten Mal die Frankfurter Buchmesse. Selbstredend ist mir davon nichts im Gedächtnis geblieben, auch die zahlreichen „Wie süß, aus der kleinen Julia wird bestimmt auch mal eine Buchhändlerin!“ plus die etlichen Bilderbuchgeschenke kenne ich nur aus Erzählungen. Ein Jahr zuvor hatten meine Eltern in meiner Geburtsanzeige von „ihrem ersten Werk“ gesprochen – „bei Gefallen auszuleihen“.

Lesen lernte ich, ganz kurz vor meiner Einschulung, mithilfe kunterbunter Kühlschrankmagnete und dann ging es Schlag auf Schlag: Bilderbücher waren passé, Text musste her – und sobald ich zusammenhängende Sätze lesen konnte, begann ich mich durch die Bücherregale meines Vaters zu wühlen. Denn davon hatten wir genügend, ein Zimmer war regelrecht von unten bis oben mit Büchern gefüllt, regelmäßig brachte Papa Exemplare mit leichten Mängeln aus dem Büro mit und ich profitierte von seinen Vergünstigungen bei Neubestellungen.

Ich las, wann immer ich konnte – tagsüber auf dem Sofa, unterm Walnussbaum im Garten, abends in meinem Bett. In meinem Zimmer hatte ich eine kleine Leihbücherei eingerichtet, aus der sich meine Freundinnen bedienen durften (mit Rückgabefrist, versteht sich) und auch in der echten Stadtteilbibliothek war ich Stammgast. Hanni und Nanni mochte ich zwar nie, dafür besonders gerne Romane über starke Mädchen, Cliquen-Anführerinnen, große Schwestern und natürlich Pferdenärrinnen. Dachte ich anfangs noch: „Bücher ohne ein einziges Bild – wie langweilig!“, wurden Illustrationen mit der Zeit immer unwichtiger. Mein Kopfkino lief auf Hochtouren!

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Hatte ich ein Buch beendet, verließ ich meine Kissenhöhle und taperte nach unten in die Küche, um meinem Vater davon zu erzählen. „Und, wie hat es dir gefallen?“, fragte er jedes Mal.
Oft erzählte ich ihm in vielen Einzelheiten, wovon der Roman gehandelt und wieso er mich so in den Bann gezogen hatte. Eine liebevolle Tradition, die wir bis zum Tod meines Vaters beibehalten haben, und die mir noch einige Jahre danach sehr fehlt.
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Lesen, das war und ist für mich eine Möglichkeit, den Alltag auszublenden, mich bereitwillig fallenzulassen und gedanklich in eine – oftmals – völlig andere Welt einzutauchen. Las ich als Kind und Jugendliche am liebsten Bücher über – klar – Kinder und Jugendliche, so griff ich mit zunehmendem Alter mehr und mehr zu Klassikern. Den Siddharta von Hermann Hesse verschlang ich mit 18 und fühlte mich verstanden – eine unglaubliche Leistung eines Romans, das faszinierte mich! (Mit Ende zwanzig habe ich es noch einmal versucht, aber die Wirkung blieb leider aus).

Warum ich lese

Es war dann eigentlich klar wie Kloßbrühe: Ich würde Literaturwissenschaften studieren! Germanistik und Anglistik, das war das reinste Paradies – stundenlang stöberte ich durch die staubigen Institutsbibliotheken, las kreuz und quer und sog alles auf wie ein Schwamm. Der Bücherstapel in meinem kleinen WG-Zimmer wuchs beständig, ich las mich durch die fast komplette Literatur des 19. Jahrhunderts, ließ mich von Schreibstil und Sprache der Autoren beeinflussen. „Seid wann sprichst du so kompliziert?“, fragte mich meine Mutter eines Tages…

Mein Studium liegt schon lange hinter mir, aber die Leidenschaft für Literatur ist geblieben, vielleicht sogar stärker geworden – nur habe ich aufgrund meines Vollzeitjobs längst nicht mehr so viel Zeit zu Lesen wie damals. Doch das Vorbeigehen an einer Buchhandlung fällt mir nach wie vor schwer, der „Stapel ungelesener Bücher“ wächst, das Bücherregal knarzt unter der schweren Last – und ohne ein Buch in der Tasche würde ich niemals das Haus verlassen!

Denn ich bin mir sicher: Lesen hilft – und viel lesen hilft viel!

 

 

1 Kommentare

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