Zu Besuch im… Olympischen Dorf

Einer der Gründe, warum ich mich vor nunmehr 11 Jahren Hals über Kopf in Berlin verliebt habe? Dass in dieser Stadt Geschichte noch immer so greifbar ist! Besonders gut erlebbar wird diese im Olympischen Dorf von 1936, kurz hinter der Stadtgrenze in Elstal.

In den 1920er Jahren hatte Deutschland sich um die Austragung der Olympischen Spiele beworben – und für Berlin den Zuschlag erhalten. So geschah es, dass die Nationalsozialisten – relativ frisch an der Macht – 1934 mit dem Bau des Olympischen Dorf begannen. Eine Oase für über 3.000 männliche Athleten (die Frauen waren am Olympiastadion untergebracht) aus aller Welt sollte es werden, ruhig und mitten in der Natur – intern nannte man das Areal „Dorf des Friedens“.

Eine Turnhalle, eine Aschebahn mit Hindernissen, ein kleines Schwimmbad, ein See, eine Sauna und ein Haus für abendliche Veranstaltungen baute man, dazu Sportlerunterkünfte und ein riesiges Speisehaus. Um die Idylle perfekt zu machen, lieh man sich sogar Störche und andere Tiere aus dem Berliner Zoo aus.

Zu Besuch im Olympischen Dorf

80 Jahre später – so viel darf gesagt sein – wirkt das olympische Dorf noch immer sehr idyllisch. Als wir durch die Anlage spazieren, hören wir nichts weiter als das Knarren der Kiefern und das Zwitschern der Vögel, über allem liegt eine frühsommerliche Schwüle. Die Gebäude sind teilweise einsturzgefährdet und daher nicht zugänglich (außer im Rahmen von Führungen), doch die großen Glasfenster ermöglichen den Einblick in die meisten Teile.

Durch die Panoramafenster des ehemaligen Schwimmbads blicken wir auf die blau gekachelte Beckenwand. Früher, so erklärt uns eine Infotafel, konnte man hier aus der finnischen Sauna direkt ins Wasser springen – heute ragt nur noch ein rostiges Sprungbrett aus der Wand. Nachdem Jugendliche das Schwimmbaddach in Brand gesetzt hatten, wurde es 2011 wieder rekonstruiert.

Zu Besuch im Olympischen Dorf

Schließt man sich keiner Führung an, so bleiben die Gebäude – bis auf die wenigen Infotafeln – weitestgehend unkommentiert. Eine große Plane an der Fassade des ehemaligen Speisehauses zeigt die ehemalige Speisekarte (dreimal am Tag gab es Ovolmatine) und einen Auszug aus den Regeln des Miteinanders. Und dass Jesse Owens der Star der damaligen Olympiade – sehr zum Ärger der Nazis – wurde, weil er gleich mit vier Medaillen nachhause ging, zeigt eine kleine Ausstellung in einer der Unterkünfte.

Eigentlich hatte Owens gar nicht an den Wettkämpfen teilnehmen wollen: Ein Land, welches dunkelhäutige und jüdische Mitmenschen (und somit auch Sportler) schärfstens diskriminierte, wollte er nicht bereisen – denn mit der Diskriminierung von Dunkelhäutigen hatte er in seiner Heimat USA schon genügend zu tun. Letztendlich tat er es doch, flitze über die Aschebahn und räumte ab. Wie seine Mitsportler teilte auch er sich ein klitzekleines Zimmerchen mit einem anderen Athleten, welches nachgebildet wurde.

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Das Olympische Dorf von 1936 befindet sich in Elstal, unweit der Berliner Stadtgrenze. Man erreicht es per Zug und Bus oder mit dem Auto. Geöffnet ist von 1.April bis  31. Oktober, Montag bis Freitag von 10-16 Uhr und Samstag/Sonntag von 10-18 Uhr. Führung gibt es unter der Woche um 11 Uhr, Sa/So um 12 und 15 Uhr (Kosten: 10€). Der Eintritt kostet 4€.

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