Panjim oder: Auf nach Goa

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Ich atme durch. Vor ein paar Stunden war ich noch durch die stickige Großstadt Mumbai gelaufen – nun fährt mich ein Taxi durch die satten, grünen Reisfelder Panjims.

Ich begegne etwas, was ich aus Indien noch nicht kannte: Stille. Ich bin auf dem Weg nach Panjim, der Hauptstadt des kleinsten Bundesstaates auf dem Subkontinent.

Man solle sich Panjim (oder: Panaji) auf keinen Fall entgehen lassen, hatte ich vorher gehört: In dieser kleinen, verschlafenen Stadt sei der jahrhundertelange Einfluss der Portugiesen noch besonders gut zu erkennen. Nachdem mein Taxifahrer zuvor diverse Leute angerufen hatte, um sich nach dem genauen Standort der „Rua de Janeiro“ zu erkundigen, kommen wir bei Sonnenuntergang endlich am „Old Quarter Hostel“ an.

Auch hier: absolute Stille. Dazu das Kreischen exotischer Vögel (oder sind es Affen?), riesige Grünpflanzen und pastellfarbene Hausfassaden. Über allem thront die in strahlendem weiß gehaltene Kirche Our Lady of the Immaculate Conception, die um diese Uhrzeit von knallbunten Lampen angestrahlt wird. Eigentümlich, aber sympathisch!
Panjim

In Goa, das lerne ich gleich am ersten Abend, läuft alles etwas gemächlicher ab. Während ich mit einem britischen Pärchen ein exzellentes „Chicken Biryani“ im Panjim Inn verspeise, dazu – trotz der auch spät noch flirrenden Hitze – einen warmen Chai schlürfe, schauen wir auf die Hauptstraße, die wie ausgestorben da liegt. Ob man wohl später noch irgendwo einen Wein trinken gehen kann?

Doch auch wenn in Goa – anders z.B. als im Norden Indiens, wo der Hinduismus dominiert – mal gerne tief ins Glas geschaut wird, eine Bar finden wir nicht. In einem kleinen Verschlag kaufen wir uns Bacardi, den wir mit Limonade mixen – die zwei Zahnputzbecher, die im Gemeinschaftsbad des Hostels stehen, teilen wir dafür ebenso gemeinschaftlich.

In meinem kleinen, fensterlosen Verschlag ist es so heiß, dass ich wohl mitten in der Nacht ein Spiegelei auf dem Bettlaken braten könnte; nur die Kombination von Ohropax und zwei auf Anschlag gestellten Ventilatoren gönnt mir etwas Schlaf. Ich erwache schweißgebadet, Kaffedurstig -und schon wieder ist da diese eigentümliche Stille, nur durchbrochen vom heiseren Schreien mir unbekannter Vogelarten. Auch das ist also Indien!

Panjim

Ich war noch nie in Lissabon, genauer gesagt noch nie in Portugal, aber genauso muss es aussehen, wenn man die gemusterten Kacheln und die bunt getünchten Hausfassaden Portugals mit der Farbexplosion Indiens zusammenbringt. In der Markthalle wird mir schier schwindelig vor soviel üppigem Angebot an Früchten und Gemüse, sogar die Haushaltswaren wirken hier nicht langweilig, außerdem riecht es gut – noch so eine Sache, die ich mit meinen bisherigen Erfahrungen in Indien nur schwer unter einen Hut bringen kann!

Ich spaziere durch die Gassen, den Sarong behelfsmäßig gegen die stechende Sonne um den Kopf gezwirbelt, besuche die katholische Kirche, einen hinduistischen Tempel und eine Moschee – und möchte die ganze Zeit in diese Stadt hineinbeißen. So sehr wirkt hier alles wie ein Besuch in einer gigantischen Pralinenschachtel! Ob ganz Goa so aussieht?

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